Feuerkugel über Teneriffa – once in a lifetime shot auf La Palma :-)

Bei aller Planung mit Apps, jahrelanger Erfahrung, Locationscouting etc. pp. – Glück muss man haben und manchmal eine ganze Menge auf einmal. Z.B. wenn man mit einer 85 mm Linse von La Palma auf´s 130 Kilometer entferne Teneriffa hält, um den Aufgang der Milchstraße über dem Teide in einer Zeitraffer festzuhalten und dann das rauskommt:

Sternschnuppe wäre untertrieben, Feuerkugel oder Bolide nennt man solche hellen Meteore die durch die Reibung in der Erdatmosphäre so heiß werden, dass sie Leuchten und regelrecht verdampfen. Die Farbe hängt dabei vom Material ab, aus dem sie bestehen – hier vermutlich ein gewohnlicher Eisen-Nickel-Meteor. Schaut man sich die Bewegungsrichtung an, kommt er aus Richtung Spica bzw. dem Sternbild Jungfrau und da zusätzlich sowohl Jahres- und Tageszeit passen, wird er Teil des Meteorstroms der Virginiden gewesen sein (von lat. Virgo – Jungfrau). Ein sehr schwacher Meteorstrom mit einer ZHR von lediglich 5 – d.h. pro Stunde treten lediglich fünf Meteore auf, die scheinbar eben aus dem Sternbild Jungfrau kommen – der sogenannte Radiant. Von da aus in alle Richtungen und wenn man sich überlegt, dass ich mit meiner Linse keine 0,5% des sichtbaren Himmels abgedeckt habe, ein absoluter Glücksgriff 🙂

Entstanden ist das Bild ganz in der Nähe des Monumento Infinito von César Manrique, einem Künster aus Lanzarote, der seine Heimatinsel in mehrfacher Hinsicht geprägt hat. Auf La Palma ist es sein einziges Werk und es fristet ein peinliches Schattendasein auf rund 2.200 Meter oberhalb der LP-4. Ein mickriges Schild weist den „Weg“ zu dem Mirador Astronomico – völlig zugewachsen und marode, kaum ein Stein ist noch dort wo er hingehört. Aufgestellt wurde es 1985 anlässlich der Eröffnung des Roqe de los Muchachos Observatoriums ein paar Kilometer weiter – eins der größten weltweit.

Wegen der coronabedinten nächtlichen Ausgangssperre (bei einer Inzidenz von um die 30 – so viel zum Gejammer in Deutschland) habe ich die Sony A7r3 mit dem Samyang 1,2 / 85 gut versteckt positionert und die Nacht über laufen lassen. Alle 7s ein Bild mit 6s Belichtungszeit bei Blende 1,8 und ISO 4000. Klick, Klick, Klick – 3700 mal 😉

Beim Betrachten der Luminanzkurve war ich dann über einen Peak verwundert – mitten im nirdendwo, kein Autoscheinwerfer konnte da hinstrahlen. Kurzer Schreck – ist da doch jemand mit Stirnlampe hingekommen? Aber egal – die Kamera war ja noch da, also hingescrollt und erstmal eine Minute sprachlos draufgeschaut 😉 Der Screenshot zeigt das unbearbeitete RAW-File, das endgültige Bild ist nur in Lightroom üblich bearbeitet und in Photoshop eine Rauschreduzierung vorgenommen worden. Kein Composite, nix gephotoshopt – einfach eine einzelne 6s-Aufnahme 🙂

Gleich 2x den gleichen Boliden erwischen ist auch nicht das Üblcihe schätze ich aber auf einer zweiten Zeitraffer vom Roque de los Muchasos aus sieht man die Silhouette der Randgebirge der Caldera de Taburiente im Vordergrund, rechts die berühmte Cascada de Nubes über der Cumbre. Ein regelrechter Wolkenwasserfall, wenn die Wolken von der Ostseite über den Bergkamm geweht werden und sich dort auflösen – ein grandiosen Schauspiel! Tja und im Hintergrund der Teide, Spaniens höchster Berg (3.715 m) mit dem bei 14 mm als harmlose Sternschuppe erscheinenden Meteor. Schaut man genauer hin sieht man aber dass die Spur des Meteor in der Aufnahme bis runter zur Sichtlinie zum Teide reicht – möglicherweise ist also tatsächlich ein nicht verdampfter Rest als Meteorit auf der Erde eingeschlagen oder – wahrscheinlicher – ins Meer hinter Teneriffa.

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4 Antworten zu Feuerkugel über Teneriffa – once in a lifetime shot auf La Palma :-)

  1. Mike Deal sagt:

    Bravo! This is an amazing photo. Congratulations.

  2. Ich habe die Aufnahme im Querformat auf „Spektrum.de“ gesehen und war sofort begeistert.
    Ein grandioses Foto mit einer atemberaubenden Kulisse für einen in die Atmosphäre eintauchenden Asteroiden der spektakulär in einem Feuerball auf den Teide zustürzt. 6 Sekunden der Aufnahme die den Eintritt in die Atmosphäre festhalten, in einem unglaublichen Farbspektrum, nicht zuletzt verstärkt durch die dünnen Wolkenschleier. Vermutlich ist der Meteor nach den 6 Aufnahmesekunden noch ein Stück weiter Richtung Erde geflogen, was die andere 14mm Aufnahme nahelegen lässt. Ob er vielleicht gar als Meteorit hinter dem Teide ins Wasser gestürzt ist, wer weiß…
    Herzlichen Glückwunsch für diesen festgehaltenen Glücksmoment und Respekt für die professionelle Aufnahmetechnik und Auswahl der Location – bin gespannt wie die fertige Timelapse später aussieht 😉

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