Mondfinsternis auf Teneriffa – von der Jagd nach Bildern und Muflons

Nach 2018 durfte ich erneut eine Mondfinsternis auf Teneriffa erleben. Im Gegensatz zu Deutschland, wo nur das Ende in der Morgendämmerung sichtbar war, gab es hier das volle Programm. Fast 1,5 Stunden total verfinsterter Mond in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai. Abkürzung für Lesefaule: Das Video gibt’s ganz unten 😉

Blutmond
Der „Blutmond“ mit knapp 2 Meter Brennweite

Die Planung

Dummerweise war der Aufenthalt in einem Ferienhaus direkt im Nationalpark kurz vorher zu Ende gegangen, also hieß es einmal vom Süden ganz nach oben fahren.
Der einzige Plan, der einigermaßen sicher stand, war eine Kamera von der Fortaleza aus Richtung Teide laufen zu lassen. Der verfinsterte Mond sollte hier über die Teidespitze hinwegziehen und den Helligkeitsverlauf, das Herauskommen der Milchstraße mit beginnender Verfinsterung sollte vor der prägnanten Kulisse doch ein gutes Bild abgeben.

Zum Maximum der Verfinsterung stand der Mond viel zu hoch um einen Vordergrund schön in Szene zu setzen. Haken an der Planung rechts (PlanIt!) – gut eine Stunde zu Fuß mit gut 200 Höhenmetern. Und das mal vier, da die Kamera alleine laufen sollte und ich in der Zeit noch anderes vorhatte …

1. kommt es anders und 2. als man denkt und so

Die Muflons und die Jäger die meine Kamera bewachten

Die bitte was? Ja genau – Muflon. Um es kurz zu machen: Wildschaf. Und wieder so eine Geschichte, die die wohl wirklich grenzenlose Dummheit der Menschheit aufzeigt. Die armen Jäger (und sehr sehr wenigen Jägerinnen) mussten dich auf Teneriffa mangels ordentlichem Wild mit Kaninchen und ein wenig Federvieh begnügen müssen und das ging natürlich gar nicht. Also hatte man die bescheuerte Idee, ein paar Tiere zu importieren und im Nationalpark auszusetzen. Im jetzigen Nationalpark meint er bestimmt weil sonst hätte man so etwas doch sicher nicht gemacht denkt ihr gerade? Fehlanzeige – der Nationalpark besteht seit 1954. Natürlich fressen die Viecher die ganzen leckeren frische Triebe der endemischen und teils bedrohten Pflanzen – natürliche Feinde natürlich Fehlanzeige. Es hat 30 Jahre gedauert bis man auf den Trichter kam, dass die Tiere da wieder weg müssen und natürlich ist einem nichts besseres eingefallen als tolle Jagdpläne zu schmieden. Also den Bock zum Gärtner zu machen. Jetzt dürfen die, denen die Natur den Bockmist zu verdanken hat ihrem Vergnügen im staatlichen Auftrag nachgehen – im Mai gleich an drei Tagen in der Woche.

Es bisschen Spielerei darf auch mal sein – Collage aus ISS-Spur und der zuvor sichtbaren Milchstraße mit den verschiedenen Phasen der Verdunklung. Die künstlerische Freiheit erlaub den Mond viel größer zu machen als maßstabsgerecht wäre 😉

Da ich mich der erwähnten menschlichen Dummheit nun auch nicht entziehen konnte, hab ich mir natürlich einen Platz für Kamera 1 ausgesucht, der Mitten im Jagdgebiet liegt. Bei gut einer Stunde flotten Fußmarsches und dem Ende der Mondfinsternis erst mit Sonnenaufgang war natürlich nix mit abholen am nächsten Morgen vor 7 Uhr. Also hieß es nach durchgemachter Nacht noch den ganzen Tag da oben zu verbringen. 17 Uhr – sicherheitshalber in Warnweste – losmarschieren und immerhin zum Sonnenuntergang noch ein netten Tajinastenbild mitnehmen. Etwas gutes hatten die Jungs mit ihren Knarren zumindest – es haben sich keine Touris da hin getraut wo meine Kamera war. Eine Gruppe Jäger hab ich im Restaurant Papillon oben übrigens getroffen – sie haben zu fünft in den zehn Stunden ein einziges Tier erlegt. Kann also noch dauern die Geschichte mit den Muflons …

Wenn wir gerade bei nicht ganz so cleveren Sachen sind, passt die Geschichte, wo ein wohl etwas gestresster und überforderter Moderator einer eigentlich ganz coolen Facebookgruppe speziell für Einzelaufnahmen des Nachthimmels ohne Stacking, Nachführung etc. das Bild links kurzerhand gelöscht, mich quasi als Lügner dargestellt und für die Gruppe gesperrt hat weil es ja kein Einzelbild wäre.

Da es das ist – ein Einzelbild aus einer Zeitraffersequenz – muss es wohl ganz gut sein 😉
Es entstand am Ende der Mondfinsternis gegen 6 Uhr mit dem Ende der astronomischen Nacht und zeigt gleich vier Tajinasten unter der Milchstraße und rechts dem noch ziemlich verdunkeltem Vollmond.

Kamera 2, 3 und ein bisschen 4

Die gar nicht so gute aber alte 700d durfte Richtung Observatorien knipsen – leider hab ich den Cropfaktor vergessen und das Objektiv war nicht so weitwinklig wie gedacht und der Mond läuft schon verfinstert in den Bildausschnitt. Irgendwas ist ja immer bei der Zeitrafferei und mehr Kameras = mehr Fehlerquellen 😉

viele Bilder der 700d am Observatorium übereinandergelegt

Mit dem Rest dann wieder zurück Richtung Roques de Garcia wo ich möglichst eine der schicken Tajinasten mit der Mondfinsternis in Szene setzen wollte und gleichzeitig mit Teleskop und Nachführung das Spektakel ganz weit heranholen wollte. Der Plan hielt nach dem Aussteigen allerdings nicht lange – es wehte ein heftiger Wind. Mit „wackeliger“ Montierung und zwei Meter Brennweite keine Chance. Eine Kamera dort unbeaufsichtigt laufen lassen war mir auch nicht geheuer und die Zeit wurde knapp. Also schnell wieder zurück und bei den Minas de San Jose ein einigermaßen windarmes Plätzchen gefunden. Montierung war Rekordzeit ganz ordentlich eingenordet und ausgerichtet aber die Idee ohne Guiding mit einer einfachen Montierung den Mond mal eben über 2 Stunden zu verfolgen und eine supersmoothe perfekte Zeitraffer zu machen, nun ja – das mit der „Dummheit“ hatten wir ja schonmal 😉 Mit automatischer Stabilisierung ist es auch so eine Sache wenn der Mond kontinuierlich seine Form ändert – so einigermaßen anschaubar ist es am Ende dann aber doch geworden. Viel Zeit die 6d noch supertoll zu platzieren war da nicht und ein paar Leute waren bei den drei Parrkplätzen an dem Spot natürlich auch da und Gelegenheit macht ja bekanntlich Diebe, also nur direkt nebenan eine kurze Szene mit rauskommender Milchstraßen einfangen können.

Dann war’s aber recht entspannt und ich konnte die sich regelrecht dramatisch ändernde Umgebung mit zunehmender Verfinsterung genießen. Interessant auch der abwechselnde direkte Blick auf den Mond und über den Monitor der Sony A7sIII. Ich hatte sie recht zuversichtlich im A-Modus bei Auto-ISO und auf max. 1 Sekunde beschränkter Belichtungszeit laufen. Da der Mond ja formatfüllend abgebildet war, sollte die Kamera mit der veränderten Helligkeit ja bestens zurecht kommen. Aber auch bei schon fast ganz beschattetem Mond war die kleine von der Sonne noch erreichte Sichel so hell, dass der Rest absolut schwarz blieb. Mit dem bloßen Auge hat man da schon lange das typische „Blutrot“ (was ein Unsinn wie die diversen „Supermonde“) gesehen. Oder hat es unser Gehirn da nur hineininterpretiert weil wir ja wissen was da kommt?

Da ich ja doch noch was mit einer Tajinaste ablichten wollte, nach erreichen der Totalität eingepackt und wieder gen Westen in der Hoffnung, dass der Wind nachgelassen hat. Naja – nicht wirklich und mehr als eine kurze Zeitraffersequenz sprang da nicht heraus. Dafür ein netter Sonnenaufgang an den Roques de Garcia – denn mit endlich ins Bett war ja nichts da ja noch eine Kamera bei den Muflons stand …

„Werbung“

Zum Einsatz kam natürlich der Intervallauslöser von Gunther Wegner (LRTimelapse Pro Timer 3 – affiliate link, sie auch mein Review) und ging es zur da zur Not noch mit etwas anderem, geht bei der Nachbearbeitung von Zeitraffern eigentlich kein vernünftiger Weg an der Software LRTimelapse (affiliate link) vorbei.

Endlich – das Video

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