Kompakt- & Actionkameras

Kompaktkameras, Camcorder mit integrierter Intervallfunktion & einfache „Timelapsekameras“

Zahlreiche Kompaktmodelle haben neben einer Selbstauslöserfunktion auch die Möglichkeit in definierten Abständen automatisiert Bilder aufzunehmen – hier einfach mal in die Bedienungsanleitung schauen, ob das eigene Modell dies anbietet – zum Ausprobieren und Reinschnuppern allemal gut! Die Einschränkungen der Variante kommen allerdings oft schnell zu Tage und lassen den Wunsch nach „mehr“ reifen – sei es eine beschränke Auswahl an Intervallen, die Beschränkung auf z.B. nur 99 Aufnahmen (was lediglich 3-4s Video ergibt) oder dass bestimmte Automatikfunktionen nicht deaktiviert werden können und so zu unschönen Schwankungen im fertigen Video führen können – vom weiter unten angesprochenen Problem der zu kurzen Verschlusszeiten ganz abgesehen. In den Bereich ordne ich auch die zahlreichen „Gartenkameras“ ein, die sich mit „Zeitraffer“ und „Garten“ als Suchbegriffe finden lassen und die Veränderungen im heimischen Garten verdeutlichen sollen. IdR. sind die für auch nur halbwegs ernsthafte Aufnahmen aufgrund der bescheidenen Auflösung und optischen Qualität allerdings nicht geeignet.

Ein Beispiel mit akzeptabler Qualität wäre hier die Brinno TLC200 (Affilate-Link), die ohne jedes weitere Zutun Zeitraffervideos im avi-Format mit einer Auflösung von allerdings gerade mal 1280*720 Pixel liefert. Ob einem das angesichts der kinderleichten Bedienung rund 200 € (Juni 2022) wert ist, muss man selbst entscheiden. Das ist aber auch gleichzeitig ein Nachteil – mehr als das Aufnahmeintervall einstellen ist nicht möglich, es gibt nur ein Weitwinkelvorsatz um die Brennweite zu ändern, für vernünftige Bildqualität muss eine gute Beleuchtung herrschen und sollte es heutzutage nicht (mindestens) Full-HD sein?
2019 kam dann eine E-Mail von Brinno, ob ich denn nicht die neue TLC2000 testen möchte, die nun (wo 4k schon ein alter Hut ist) auch Full HD unterstützt. Schon, aber kaufen mochte ich sie dafür nun auch nicht und vom Hersteller kam auf die Bitte sie mir leihweise zur Verfügung zu stellen, keine Antwort. Anfang 2021 ist das Topmodell die TLC 2020 für knapp 400 €, als BCC 2000 ist ein wasserdichtes Gehäuse mit Platz für 16 Mignonakkus für gut 550 € erhältlich – bei 5 min Intervall soll sie ein Jahr arbeiten. Aber nur HD ohne die Möglichkeit die Szene mit Ken Burns (zoomen, schwenken in der Nachbearbeitung). Die speziell für (Lang-)Zeitraffer entwickelten Spezialfunktionen und die lange Akkulaufzeit stehen auf der Habenseite. Da ich nun eine spezielle Idee für eine Langzeit-Zeitraffer hatte, habe ich doch viel (zu viel) Geld ausgegeben und unter anderem genau das Teil getestet:

Die Kurzvariante: Finger weg – außer für wirklich recht spezielle Anwendungen ist die Brinno nicht ansatzweise das Geld wert.

Canonuser können bei vielen Kompakten allerdings von einer Firmwareerweiterung namens CHDK (Canon Hacker Development Kit) profitieren, welches im deutschsprachigen Forum selbstbewusst als „das Sprungbrett zur semiprofessionellen Fotografie“ bezeichnet wird. Aus dem Forum eine Auswahl der Möglichkeiten, die CHDK mitbringt:

  • ermöglicht die Aufnahme von RAW/DNG-Bildern
  • zeigt ein Live-Histogramm mit gesonderten Einstellung für RGB und Luminanz
  • manuell einstellbare Belichtungszeit (von 1/100000s bis 65s – bei einigen Kameras ist die max. Belichtungszeit unbegrenzt)
  • manuell einstellbare Fokusdistanz
  • manuell einstellbare Blendenwerte (in Abhängigkeit von der Kamera-Hardware)
  • manuell bestimmbare ISO Werte (Ober- und Untergrenze ist abhängig von der Hardware)
  • einstellbares Auto-ISO für unterschiedliche Aufgaben
  • erweiterte Funktionen durch Skripte
    • Belichtungsreihen für HDR
    • Intervallaufnahmen für Zeitraffer
    • automatisches Fokus-Stacking
    • Zeit-gesteuerte Abläufe
    • Fernbedienung-gesteuerte Abläufe (Selbstbau-Fernbedienung für USB-Anschluss der Kamera)
  • uvm.

sx240Canon Kompaktkamera SX240 mit externem Akku und Gehäuse mit verschiedenen Befestigungsmöglichkeiten und CHDK für Timelapseaufnahmen mit bis zu 18 Stunden. Anschlussmöglichkeit für Solarpanel zum laden des 10Ah-Akkus.

Damit wird das Ganze für Timelpase schon richtig interessant, wenn auch Nachtaufnahmen aufgrund des deutlich höheren Sensorrauschens außen vor bleiben und die Qualität einer DSLR mit hochwertiger Optik einfach nicht erreicht werden kann.

Handy & Tablet als Zeitrafferkamera

Die Idee hatten schon viele und dementsprechend gibt es für alle Plattformen zahlreiche Programme – einfach im jeweiligen Appstore Timelapse oder Zeitraffer eingeben und an den Bewertungen orientieren. Für Android ist z.B. „lapse it“ eine gute App mit zahlreichen Möglichkeiten – angesichts der enorm gestiegenen Auflösung und Qualität der Handykameras so langsam eine echte Alternative als schnell-mal-zwischendurch-und-immer-dabei-Lösung!

GoPro für Timelapse-Aufnahmen

Professioneller und vielfältiger im Einsatz wird das mit einer der inzwischen allgegenwärtigen „Actionkameras„, die neben HD-Videoaufnahmen auch Fotos in ansprechender Qualität aufnehmen können und durch diverse Halterungen, ihre Kompaktheit und Wasserdichtigkeit prädestiniert sind für Timelapsevideos auch in rauher Umgebung. So 2012 rum muss es gewesen sein, als ich hier die GoPro HD Hero 2 thematisiert habe: Das kleine Wunderwerk filmt(e) in voller HD-Auflösung (1080p bei 30fps; H.264-codec) oder bei geringerer Auflösung auch mit bis zu 120 Bildern in der Sekunde, was den Gegensatz zum Zeitraffereffekt, die Zeitlupe erlaubt. Im Fotomodus standen 11 Megapixel zur Verfügung, die über eine sehr weitwinklige (170°) Fixfokuslinse auf eine SD-Karte geschrieben werden. Interessant für Timelapse-Aufnahmen der integrierter Timer, mit dem Aufnahmen in einem weiten Intervallbereich möglich sind. Vorteil auch die einfache ext. Stromversorgung über USB und der rein elektronische „Verschluss“ ohne Verschleiß und der natürlich auch fehlende mechanische Spiegel wie bei DSLRs.

Gibt’s auch Nachteile?

Ja und die sehe ich klar einmal in der Optik mit dem doch recht stark verzeichnenden Weitwinkel. Die Verzeichnung fällt natürlich nicht bei allen Motiven auf und das starke Weitwinkel kann auch von Vorteil sein – muss aber nicht und Wechselobjektive oder ein (echter) Zoom stehen nicht zur Verfügung. Weiterhin braucht die Kamera Licht und zwar viel Licht um brillante Bilder zu liefern. Ansonsten geht mit schwindendem Licht und automatisch steigender ISO-Empfindlichkeit das Rauschen auch ganz schnell nach oben, gepaart mit flauen Farben – die GoPros sind (waren?) Schön-Wetter-Kameras!

Hero 5 bis zur Version 7 der beliebten Action-Cam

Alles mitgemacht – steigende VIdeoauflösung, Stabilisierung für Hyperlapse, steigende Bildfrequenzen, ein RAW-Format ohne den großen Qualitätsdurchbruch, ist halt eine kleine (tolle) Actioncam und keine vollwertige Kamera.

Hero 9 black mit 5k Video

Die Hero 9 bietet immerhin 5k Video bei 30 fps (4k mit 60 fps) und die Bildauflösung ist damit auf 20 MP gestiegen. Unverändert die bis zu 240 fps bei Full HD (1080). Sie beherrscht den aktuellen H.265/HEVC Codec und die maximale Datenrate von 100 MBit/s ist schon beeindruckend für so ein kleines Teil.

Die möglichen Intervalle mit 0,5 s, 1 s, 2 s, 5 s, 10 s, 30 s, 1 min, 2 min, 5 min, 30 min, 60 min versprechen vor allem für Langzeit-Zeitraffer interessante Einsatzmöglichkeiten. Die Nachtbildfunktion bietet Verschlusszeiten bis zu 60 s und ist wie gehabt mit Zeitrafferaufnahmen möglich. Und so langsam werden die GoPros bei aller Vorsicht „nachttauglich“ wie die Aufnahme vom Vulkan auf La Palma Ende 2021 zeigt:

Mit 20s-Intervall im Nachtmodus und Nachbearbeitung der vielen, vielen Bilder 😉 in Lightroom und mit LRTimelapse (Affilate-Link) bringt selbst Sterne ganz ordentlich raus. Unübersehbar aber „natürlich“ immer noch ein ordentliches Rauschen.

Bewegungsunschärfe beim Film

Nachteil aller auf der Seite angesprochenen Varianten: Aufgrund des Automatikmodus bewegen sich die Verschlusszeiten idR. deutlich kürzer als 1/50 s. Bei „normaler“ Fotographie ist das zwar absolut kein Problem bzw. oft sogar erstrebenswert, da unserer Fotos aber nur Zwischenschritt zum Video sind, gelten hier andere Maßstäbe.

„Dragging the shutter“

Das Maß aller Dinge in der Filmproduktion ist eine Verschlusszeit von der Hälfte der Intervallzeit zwischen zwei Bildern um eine für die menschliche Wahrnehmung angenehme, fließende Bewegung sicherzustellen. Die Einzelbilder des Films haben dadurch bei schnellen Bewegungen eine Unschärfe („motion blur„), die man bei einer Fotoaufnahme u. U. mit kürzerer Verschlusszeit verhindern würde – bei bewegten Bildern ist sie gewollt aber mit den hier vorgestellten Varianten (außer bei schwacher Beleuchtung) nicht erreichbar! Haben wir z. B. ein schon recht kurzes Intervall von 1 s gewählt, müsste die Verschlusszeit 1/2 s lang sein. Auf der anderen Seite – was gefällt ist Geschmackssache, also einfach ausprobieren, so ganz streng mit dem „180°-Shutter“, also Belichtungszeit 1/2 Intervallzeit muss auch nicht sein. Ganz verloren ist das Ganze für anspruchsvolle Projekte dennoch nicht – motion blur lässt sich per Software simulieren z.B. in Adobe After Effect, wie das Tutorial bei Adobe zeigt. Mit dem für verschiedene Schnittprogramme erhältlichem Plugin ReelSmart Motion Blur ist dies ebenfalls möglich. Besser ist es aber natürlich, direkt bei der Aufnahme für den richtigen Effekt sorgen statt hinterher ewig rumrechnen zu müssen mit ungewissem Ausgang!

Stand: 21.06.2022

6 Antworten zu Kompakt- & Actionkameras

  1. Torsten sagt:

    Hallo und guten Morgen,

    toller Blog den Du da hast, bin über die LRTtimelapse Forum auf Dich gestoßen.
    Zur HD Her0 2 eine Frage : Wo hast Du denn externen Akku her? Genau so was fehlt noch, In der Headline hast Du einen Schreibfehler ( Limelaps)

    Gruß und schöne Weihnachten
    Torsten

    PS. Bin der dmit dem emotimo und der nicht funktionierenden Nikon,,,mist hätte jetzt Zeit gehabt der Tage, Werde mir die Black edition wohl im Januar kaufen

  2. Uli Fehr sagt:

    Danke Torsten – leider fehlt wie so üblich ein wenig Zeit …
    Zum Akku: Such bei Amzon & Co einfach nach USB Akku oder Zusatzakku – gibt massig Angebote für alles, was per USB mit Strom versorgt werden kann. Meiner hat glaub ich 8400mAh (Achtung Kapazität Akku mit meist 3,6V ist nicht gleich die mit 5V entnehmbare!!) und reicht mit der GoPro für einen ganzen Tag – feine Sache. Die größeren Varianten verkraften auch ein kräftigeres Ladegerät an dem dann aber teilweise gespart wird unf man handelt sich unnötig lange Ladezeiten ein – da beim Kauf eventuell drauf achten.
    Viele Grüße – Uli –

  3. sabine sagt:

    hallo, hast nen guten blog. scheint aber nicht mehr aktiv zu sein ?!

    • Uli Fehr sagt:

      Ach was – nur weil drei M onate nix gepostet wurde? 😉
      Die Seite ist schon recht aktuell mit GoPro Hero 5 als letzte Aktualisierung und bezüglich Zeitraffer gibt’s in der Kategorie nichts großartig neues – Vorschläge sind aber immer willkommen.

  4. Itze sagt:

    Hallo Uli,
    welche Systemkamera empfiehlst für Timelapse Aufnahmen?
    Auflösung sollte nicht kleiner als 4K sein.
    Vielen Dank
    Itze

  5. Uli Fehr sagt:

    Systemkamera = spiegellose Digitalkamera?
    Sony ist da momentan ganze vorne dabei – die „alte“ A7s ist für Nachaufnahmen ein Traum und reicht mit 4240 x 2832 Pixel für 4k, die A7r(II) mit über 40Megapixel liefert Ausgangsmaterial für 8K-Zeitraffer – die niemand anschauen kann 😉 Schwenkmonitor ist super-praktisch zudem ermöglicht er sehr einfaches scharfstellen auch bei Nacht. Aufgrund des geringen Auflagemaßes sind quasi alle Objektive adaptierbar – insbesondere beim Umstieg von anderen Marken von Vorteil.

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