Partielle Mondfinsternis am 16. Juli

Vergangenen Dienstag war es mal wieder so weit und der Erdschatten traf auf den Mond und bescherte uns eine Mondfinsternis. Als Vordergrund hatte ich mir nach viel hin und her die Veste Coburg ausgesucht und war auch am Vortag schonmal dort:

Veste Coburg am Tag vor Vollmond in der Abenddämmerung (A7rIII mit 1000mm Spiegeltele)

Die Veste liegt zwar schön auf einer gut einsichtbaren Anhöhe aber aus 5 Kilometer Entfernung ist der Winkel dann doch so flach, dass der Mond bei noch scheinender Sonne und dem leichten Dunst direkt hinter der Veste kaum sichtbar war. Für die Mondfinsetrnis, die ich in ihrer ganzen Länge abbilden wollte, ging es natürlich viel näher ran. Mit Blick auf die Daten der Mondfinsternis ergaben sich gut 40mm an Brennweite um den Mond vom Aufgang bis zum Ende der Finsternis „drauf“ zu haben.

Smartphone-Aufnahme vom Aufnahmepunkt – die A7r III wurde vom LRTimelapse Pro Timer (Affilate Link) getriggert.

Die Mondfinsternis in „groß“

„Nebenbei“ zur schon erwähnten Zeitraffer habe ich zugegebenermaßen nicht so ganz regelmäßig mit dem 1000er Spiegeltele Nahaufnahmen gemacht. Trotz des Dunstes bzw. dünner hohere Wolken sind die noch erstaunlich gut geworden und zeigen schön die zunehmende Beschattung. Man sieht auch schön, wie die Atmosphäre beim Aufgang den Blauanteil stärker dämpft und der Mond daher zunächst rötlich erscheint:

Verschiedene Stadien der Verfinsterung mit 1000 mm Brennweite in einem Bild zusammengesetzt.
Canon 5d mit 1000 mm „Russentonne“; ISO 800 bei Belichtungszeit zwischen 1/125s und 1/80s.

Die Mondfinsternis in „ganz“

Die Zeitraffersequenz habe ich mit der A7r III und dem Tamron 24-70/2,8 aufgenommen – auf f4 abgeblendet und bei 44 mm Brennweite laut Exif-Daten. Den Platz hatte ich mit der App PlanIt rausgesucht – naja, es war der gefühlt 20. den ich mir angeschaut hatte sagen wir mal ehrlich 😉
Die App zeigt mit der im Screenshot gezeigten Einstellung den Blickwinkel je nach angegebener Brennweite an und natürlich auch Linien für Mondaufgang und Azimut sowie Höhenwinkel für den Mond bei der eingestellten Zeit. Daneben kann sie aus Höhendaten (von Google oder Bing) und der Entfernung von Kamera- und Szenenstandort auch den Höhenwinkel berechnen. So lassen sich solche Aufnahmen nahezu perfekt planen. Über das Höhenprofil kann man auch prüfen, ob überhaupt eine direkte Sichtverbindung besteht – tolle Sache 🙂
Die Tücken liegen aber im Detail und ein im Vordergrund störender Kran oder ein Gebäude machen einen aus der Ferne auserkorenen Beobachtungsplatz zunichte. Wenn man nichts verpassen möchte oder in der Hektik dann eine flasche Einstellung vornimmt, sollte man zumindest frühzeitig vor Ort sein um noch einen alternativen Platz suchen zu können!

Zeitraffer

Die Zeitraffersequenz mit der Veste in der Mitte und der Brennweite so eingestellt, dass der Mondaufgang bis zum Ende der Finsternis im Bild sein sollte habe ich bereits gegen 21:30 Uhr gestartet um ein wenig Puffer in der fertigen Sequenz zu haben und noch ein bisschen Dämmerung in die Sequenz zu bringen. Über die 5° sollte der Mond laut App erst um 22:20 Uhr steigen. Aber Achtung – die Zeitangaben beziehen sich auf den Mittelpunkt des Objekts und der Mond hat ja von der Erde aus betrachtet einen scheinbaren Durchmesser von 0,5° und Helligkeitsänderungen am Himmel werden insbesondere bei leichter Bewölkung schon deutlich früher sichtbar.
Zum triggern habe ich den LRTimelapse Pro Timer 2.5 von Gunther Wegner benutzt – einen ausführlichen Review dazu habe ich kürzlich geschrieben, hier der direkte (Affilate) Link zu Amazon. Alle 15s ein Bild bis 1:30 Uhr – zum Glück hatte ich neben der am Schreibtisch vergessenen Speicherkarte noch eine ausreichend große dabei 🙂 Der LRTimelapse Timer macht die Einstellung der Parameter bei einfacher Bedienung super einfach und erwartungsgemäß gab es keinerlei Probleme. Die Helligkeitsänderungen von der Dämmerung in die Nacht hinein habe ich ganz oldschool manuell über die Sony-App eingestellt weil ich in der speziellen Situation das keinem Algorithmus überlassen wollte.

Quick & Dirty (wie fast immer) die 44mm-Zeitraffer – 8k zum Zoomen ist schon nett 🙂

Fotomontagen aus der Zeitraffersequenz

So eine Zeitraffersequenz lässt sich natürlich auch immer zu einem Bild verarbeiten – hierin der Variante alle Bilder mit der Software StarStax übereinandergelegt. Da hier weder Kameraposition, -einstellung etc. verändert wird und auch nichts in Photoshop groß rumkopiert und manipuliert wird, verwende ich den Begriff Montage eher ungern – ein EIizelbild ist es aber halt dennoch nicht.
Aufgrund der Witterungsbedingungen und der schlechten Belichtung leider nicht ganz optimal – links sieht man deutlich Wolken die vor dem Mond entlangzogen. Der Himmel bleibt bei einem einfachen Summenbild so hell wie das hellste (hier erste) Bild das man verarbeitet.

Die ganze Mondfinsternis in einem Bild. Der Strich oberhalb des Monds auf der rechten Seite stammt von Jupiter, der weitere in der Bildmitte von Saturn, der im weiteren Verlauf von Wolken abgeschwächt wurde.

Eine andere Variante ist viel weniger Bilder reinzunehmen, so dass der Mond getrennt erscheint und man die Abdeckung besser erkennt:

Die ganze Mondfinsternis mit knapp 50 Einzelbildern
Detailansicht des ersten Teils der Finsternis (700d bei rund 60 mm)

Spätestens bei den letzten Bidlern fällt auf, dass die Belichtung des Monds keine gute war – er ist deutich überbelichtet und Strukturen sind nur bei den durch Wolken noch weiter abgedunkelten Bildern zu erahnen. ISO 200, f4 und 1/3 s bzw. ISO 400, f4 und 0,3 s beim letzten Bild sind halt einfach zu viel für den hellen Mond. Ich hab mich zu sehr vom Vordergrund leiten lassen – den bekommt man natürlich besser mit einer separaten Belichtung eingefangen die man dann hinter die richtig belichteten Mondbilder legt …

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