Sony A7s Astromodifizierung – selbstgemacht

Ich hatte hin und wieder mit dem Gedanken gespielt, meine „alte“ A7s noch astrotauglicher zu machen und den IR-Sperrfilter ausbauen zu lassen. Dadurch wird die Kamera im langwelligen Bereich, insbesondere bei der hellsten Emissionslinie von Wasserstoff (H-alpha), empfindlicher. Das macht sich in der Astrofotografie bei vielen Nebeln positiv bemerkbar. Es gibt einige Anbieter hierfür, z.B.

Die bis zum Sensor zerlegte A7s – im Vordergrund der entfernte Staubfilter, der eigentliche IR-Filter ist noch auf dem Sensor.

Nun war ich wieder etwas knapp vor der nächsten Reise – obwohl, immerhin 4 Wochen, aber man ließ sich schon mit der Beantwortung von E-Mails jeweils mehrere Tage Zeit und der Aussage „machen wir in wenigen Tagen, kein Problem“ hab ich dann nicht mehr so recht vertraut.
Also Schraubendreher her und los geht’s 😉

Gute Hilfestellung bei der Demontage der A7s lieferte die Seite www.lifepixel.com

Der Umbau im Schnelldurchlauf:

Mit der guten, schrittweisen Domumentation von Lifepixel ging die Demonatge völlig problemlos vonstatten. Die Zweifel, ob ich das alles wieder zusammen bekommen würde, wuchsen aber durchaus von Schraube zu Schraube 😉
Bzw. besser von hauchdünner Kabelverbindung zu noch fragilerer Kabelverbindung, die es zu trennen gab. Eine mit Klebeband gepolsterte kleine Pinzette ist hier sicherlich hilfreich. Beim Zusammenbau vorsichtig passend anlegen und mit den meist vorhandenen winzigen Ausbuchtungen abwechselnd rechts und links wieder in die Buchsen schieben …

Der Ausbau des IR-Sperrfilters war bei meinem Modell leider nicht so einfach wie es in dem Tutorial aussieht. Er wurde nicht einfach durch einen Halter fixiert, sondern war an den Rändern stabil aufgeklebt. Dem Sensor derart rabiat auf die Pelle zu rücken kostete mich einige Überwindung und ich war mir zwischenzeitlich nicht sicher, ob der Staubfilter nicht schon alles war, was es zu entfernen gilt. Wenn man mit einem scharfen und stabilen Cutter oder Skalpell an einer Ecke in den Spalt kommt und vorsichtig hochhebelt, löst sich das grünliche Filterglas aber schließlich doch langsam. Da der Staubfilter eh eine (winzige) Schramme hatte, hab ich den auch gleich weggelassen. JTW macht das wohl auch so (“ We remove both the low pass and the IR/UV cut filter „), sicher bin ich mir da nicht. Jedenfalls Objektivwechsel am besten nur noch in der sterilisierten Plastiktüte, mal schauen wie es sich verhält 😉

Fast noch erstaunlicher war der problemlose Zusammenbau – alles passte da, wo es hin sollte und auch die Steckverbindungen ließen sich wieder ohne Beschädigungen anbringen. Nettozeit waren 2,5 Stunden und perfekt war’s nicht – eine Schraube blieb übrig und die beiden Klappen auf der linken Seite gehen jetzt ziemlich leicht auf. Aber was solls – entscheidend ist natürlich, ob sie überhaupt noch funktioniert! Immerhin fehlt einfach ein elektronisches Teil und das muss ja fast für Verstimmung bei so einer modernen Kamera führen, die sich selbst gegen Fremdakkus zu Wehr setzt. Also Akku rein, einschalten und … die einzige Fehlermeldung war „No SD-Card“, sonst alles wie zuvor 🙂

Wenig erstaunlich, dass die vordefinierten Weißabgleiche wie „bewölkt“ (gar nicht) passen und auch der automatische Weißabgleich funktioniert nicht. Erstaunlicherweise passen die Farben auf den ersten Blick mit einem individuellen Weißabgleich durch die Kamera auf die Hauswand ziemlich gut – der Schnee ist weiß, rot und blau des Haleverbotschilds passt und die Wiese ist momentan halt so gelb-braun wie sie abgebildet ist. Die künstliche Beleuchtung in dem Gebäude ist beim genauen Hinschauen allerdings seltsam grün. Der Autofokus funktioniert mit dem Tamron 2,8/24-70mm mit Canonanschluss und Adapter überhaupt nicht, mit dem Sigma 20/1,4 ging es – für Astrofotografie aber völlig egal. Ob ich mit allen Objektiven auf unendlich fokussieren kann, muss ich noch prüfen und natürlich auch wie unterschiedlich sich der Nachhimmel zeigt – dazu müsste er sich aber erst mal zeigen …

Der eine und andere Astronomik Clipfilter muss aber wohl doch noch her – werde berichten …
Bei mir scheint es gutgegangen zu sein aber versteht den Bericht jetzt nicht als Empfehlung – man sollte sich bewusst sein, dass man seine Kamera zerstören kann!

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8 Antworten zu Sony A7s Astromodifizierung – selbstgemacht

  1. Deborah Erne sagt:

    Hallo, ich benötige einen Tip, ich möchte mit Infrarot Fotografie starten und habe einen Hoyafilter IR72 gekauft den ich mir auf meine Sony a7rii draufschraube. Nun habe ich gelernt das ich auf einer Grünfläche den Weissabgleich einstellen sollte. Anhand eines Fotos. Aber irgendwie scheint es mir das ich diese Möglichkeit bei meiner Kamera gar nicht habe. Unter Weissabgleich kann ich keinen Einstellungen anhand einer bereits getätigten Fotografie machen. Mit meiner Sony habe ich bisalng nur die Möglichkeit gefunden direkt einen Weissabgleich zu setzten und das schein tnicht zu funktionieren.
    Welche Erfahrungen haben sie da gemacht? Mit freundlcihen Grüssen Deborah Erne

    • Uli Fehr sagt:

      Hi Deborah,
      IR-Fotographie ist gar nicht mein Gebiet aber mit einer Original A7rII wird das schwierig da der IR-Bereich standardmäßig geblockt wird und somit kaum noch Licht auf den Sensor kommt, d.h. es sind (sehr) lange Belichtungszeiten notwendig. Hoya empfiehlt den Filter daher auch für modifizierte Kamers. Auf einer anderen Seite habe ich gelesen, dass man einen Weißabgleich an der Kamera vor Aufsetzen des Filters machen soll und den dann verwenden soll. Jedenfalls mit dem Filter mit fixem Weißabgleich und nicht mit automatischem arbeiten.

  2. Kai sagt:

    Hi,

    mit Interesse habe ich deinen Beitrag gelesen und hoffe du kannst mir 2 Fragen beantworten.

    1. Ist das fokussieren auf unendlich problemlos möglich? Ich lese immer mal das da was neu eingestellt werden muss.

    2. Sollte anstelle des IR Filters ein anderer Filter eingesetzt werden, oder wird dieser einfach ersatzlos ausgebaut?

    Vielen Dank

    Mit freundlichen Grüßen
    Kai

  3. Uli Fehr sagt:

    Nein, das fokussieren auf unendlich ist oft nicht einfach so mehr möglich da ja was im Strahlengang fehlt. Es gibt verschiedene Umbauten – Komplettumbau wie ich es gemacht hatte so dass die Kamera auch für die Taheslicht-IR-Fotografie geeignet ist oder den Austausch des Originalfilters durch einen mit erweitertem Durchlassbereich im roten Bereich. Bei letzterem hat man idR. keine Probleme mit dem Fokus wenn der Austauschfilter die gleiche Dicke (bei einigermaßen gleichem Material) hat.

  4. Harald Welsch sagt:

    Hallo Herr Fehr,
    ich habe gestern nach der Lefepixelanleitung auch meine A7S umgebaut. Ich musste sie noch zweimal öffnen, da doch nicht alle Bänder richtig arretiert waren. Aber dann funktionierte es. Auch bei mir klapperten die beiden Abdeckungen. Ich habe ein schmales schwarzes Klebeband in die Mitte geklebt, wo die beiden Klappen sich berühren – jetzt schließt es wieder ganz gut. Ich bin echt überrascht, dass auch der Autofokus bei meinem Sony 24-105 F4 noch zu funktionieren scheint. Ich habe auch beide Filter einfach entfernt. Auch mein Tamron 17-35 2.8-4 für Canon EOS mit ayex EF-Nex IV Adapter angebunden, findet nach 2 Korrekturpumpen den Fokus (macht er aber auch bei einer nicht umgebauten Kamera). Ein wenig „Schweinerei“ hat das Restklebeband nach der Entfernung des IR Filters hinterlassen. Habe mich nicht getraut, das ganz zu entfernen (ist aber nicht auf den Fotos zu sehen). Also für mich sehen die Autofokusbilder scharf aus – ich habe aber keine Messtechnik angelegt. Unendlich erreiche ich auch ohne irgendwelche Filter ohne Probleme. Ich werde mir einen Astronomik L1 Clip-Filter zulegen, der nur UV und IR sperrt. Davon verspreche ich mir noch einige Verbesserungen und gleichzeitig einen Sensorschutz – muss dann mal sehen, wie es mit dem Autofokus aussieht. Den Sensor reinige ich mit den SWABs und reinem Methanol – alles andere schmiert.
    Gruß
    Harald Welsch

  5. Uli Fehr sagt:

    Ja, ist eine ganz schöne Fummelei aber auch ganz nett, dass man weiß was in seiner Kamera so alles drin ist 😉 Prima, dass das mit dem Fokus passt 🙂

  6. Harald Welsch sagt:

    Nach dem Umbau habe ich allerdings bei Langzeitbelichtungen (nur bei Langzeitbelichtungen) am oberen Rand meiner Bilder einen hellen Fleck bemerkt, der wie ein Kometenschweif ein Stück in das Bild hereinragte. Es hat eine Zeit gebraucht, bis ich dem Phänomen auf die Spur gekommen bin. Es hängt offenbar damit zusammen, dass vom Rand des Sensors, der jetzt nicht mehr von Filtern und Rahmen bedeckt ist, Störungen ausgehen. Ich habe den Rand mit dickem schwarzem Klebeband überdeckt – und daraufhin ist das Phänomen verschwunden.
    Gruß
    Harald Welsch

  7. Uli Fehr sagt:

    Leichte Unsauberkeiten am Rand habe ich auch bei einer „professionell“ umgebauten Sony – das mit dem abkleben (mit hochwertigem Band das sich nicht auflöst udn alles verklebt) ist eine gute Idee 🙂

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