Software

Nun haben wir viele Bilder aufgenommen, aber wie werden sie weiterverarbeitet? Wie bekommen wir einen Videoclip? Wie einen ganzen Film? Was gibt es für Tools?

Die einfachen und „kostenlosen“ Varianten auf dem Weg zum Timelapsevideo

Dazu gehen wir einfach mal davon aus, dass ihr „fertige“ JPGs aus eurer Kamera habt – idR. weil sie die einfach schon so liefert und ihr euch mit RAW-Aufnahmen nicht auseinandersetzen wollt – warum ihr das aber unbedingt solltet, verrate ich anderweitig noch … Auch wenn der Windows Movie Maker nicht mehr mit Windows 7 mitgeliefert und installiert wird, gibt es das Teil nach wie vor kostenlos im Rahmen des Pakets „Windows Essentials 2012“ zum Download bei Microsoft. Unter Windows 8 sogar mit einer Stabilisierungsfunktion für verwackelte Videos, Anbindung an YouTube und Vimeo, Unterstützung bei der Vertonung etc. – zweifellos ein guter Einstieg. Geschwindigkeit von Videos verändern kann man damit auch und vor allem kann man einzelne Bilder laden, denen eine (sehr kurze) Anzeigedauer zuweisen und das Ganze als Video ausgeben – primär und wie beim später thematisierten Adobe Lightroom – für Diashows gedacht. Da man die Anzeigedauer aber so kurz einstellen kann, wie es eben bei einem typischen Video der Fall ist, tut’s das Programm auch ganz gut für die Erstellung von Zeitraffervideos. Was heißt jetzt typisch? Bei 30fps eben 1/30s, bei PAL-typischen 25fps 1/25s (=0,04s). Eine weitere Möglichkeit ist mit VirtualDub gegeben, ein kleines aber leistungsstarkes Programm, mit dem sich einige Dinge anstellen lassen, für die man anderweitig richtig viel Geld ausgeben muss. Von der Bedienung sicher nicht so „schön“ wie Movie Maker & Co. und es kann ausschließlich avi, aber es bietet mit einem kostenlosen Plugin z.B. auch eine Stabilisierungsfunktion (Deshaker – siehe Videotutorial von Matthew Williams), kann auch Sequenzen deflickern (siehe Tutorial für MSU Deflicker) und vor allem natürlich wieder mit einzelnen Bildern als Quellmaterial umgehen und ein Video erstellen. Eine deutsche Schritt-für-Schritt-Anleitung findet ihr z.B. bei spacelapse.net.

Foto-Nachbearbeitung und Video-Output mit Adobe Lightroom

Wem das obige nicht so recht genügt, wer qualitativ hochwertige Resultate mit seiner DSLR erzielen möchte, der muss auch ein wenig mehr dafür tun. Als erstes: JPG vergessen und im RAW-Format aufnehmen – keine verlustbehaftete Kompression, man muss sich nicht um Weißabgleich etc. kümmern, da das erst am Rechner in der Entwicklung eingestellt wird und vor allem ein höherer Dynamikumfang, der in der Bearbeitung immer wieder für Wow-Effekte sorgt wenn man die Tiefen anhebt und aus dem Schwarz wieder saubere Zeichnung auftaucht. Weiterhin wird alle Bearbeitung in Metadateien festgehalten – das Original bleibt immer erhalten! Wer dazu mehr erfahren möchte, schaut sich einfach mal das Video von Gunther Wegner (LRTimelapse) „RAW, JPG, DNG, DNG lossy – Vergleich der Dateiformate in der Praxis“ an:
In Sachen Postprocessing gehe ich auf Alternativen einfach mal nicht ein und sage nur „Adobe Lightroom„. Das Programm „entwickelt“ nicht nur standardmäßig unsere RAW-Dateien, es bietet auch alles, was man so zur Nachbearbeitung von Fotos benötigt. Es ist kein Photoshop mit all seinen mächtigen Funktionen, es ist ein relativ schlankes Programm mit genau auf fotografische Bedürfnisse abgestimmten Features und mit unter 100€ im freien Markt auch erschwinglich. Neben der Bearbeitung selbst übernimmt LR auch die Verwaltung und Organisation von Fotos – gerade bei Timelapse mit ganz schnell anfallender fünfstelliger Anzahl an Bildern unabdingbar! Für Nachtaufnahmen bei hohen ISO-Zahlen bietet LR eine gute Rauschreduzierung und neben den üblichen Einstellungen für bestimmte Helligkeitsbereiche, Farbkorrektur, Kontrast etc. bietet es auch Vignettierungs- und Verzeichnungskorrektur für zahlreiche Objektive. Verlaufsfilter und Bereichskorrektur helfen bei speziellen Aufnahmesituationen – wenn z.B. der Sternenhimmel über einer stark beleuchteten Stadt abgebildet werden soll. Ohne Nachbearbeitung mit Aufnahme in JPG geht es natürlich auch, aber mit RAW kann man wesentlich mehr aus den Aufnahmen rausholen und nach wie vor kommt keine Automatik (auch die der automatischen JPG-Konvertierung in den Kameras) in allen Situationen zu auch nur ansatzweise perfekten Resultaten! Speziell für Timelapse waren zwei noch zwei Punkte interessant:

  • Alle Bearbeitungen eines Bildes können selektiv kopiert und innerhalb von wenigen Sekunden auf beliebig viele andere Bilder übertragen werden.
  • Lightroom kann eine Reihe von Bildern über den Menüpunkt „Diashow“ zu Videos zusammenfügen – das aber leider nur bis zur Version 4.x.

Ersteres ist immer noch interessant, der Video-output ist unverständlicherweise mit dem Update auf die Version 5 weggefallen. Das hatte alleridngs auch etwas Gutes – Gunther von LRTimelapse.com hat hier aber prompt reagiert und mit der 3er Version seiner Software von LRTimelapse einen Video-Output integriert und das in der Proversion gleich mit einer Auflösung bis zu 6k und neben MP4 auch in ProRes als echtem Intermediate-Codec für die Weiterverarbeitung – insgesmat stehen die Timelapser dank der Ignoranz von Adobe also besser da denn je zuvor 😉

LRTimelapse - advanced time lapse photography made easy.LRTimelapse.com

Eigentlich „must have“ für alle, die sich mit Timelapse beschäftigen. Neben einer Filterfunktion zum Deflickern von Timelapsesequenzen lasst sich damit wunderbar die schwierigsten Aufnahmesituation meistern, nämlich Tag-Nacht bzw. Nacht-Tag-Übergänge bei denen die Belichtung geändert werden muss da der Dynamikbereich der Kamera überschritten wird. Im Zusammenspiel mit Lightroom werden nur die beiden Bilder mit dem Belichtungssprung so angepasst, dass sie wieder identisch erscheinen (und auch hier hilft LRTimelapse inzwischen!) – den Rest erledigt LRTimelapse. Weiterhin lassen sich so gut wie alle LR-Einstellungen fließend über mehrere Bilder verändern, z.B. der Weißabgleich von der Morgen- bis wieder zur Abendsonne oder man kann Verlaufsfilter mit der Bewegung der Milchstraße drehen lassen usw. Lediglich jeweils Anfangs- und Endpunkte müssen definiert und eingestellt werden, alles dazwischen macht LRTimelapse über die XMP-Files der RAW-Dateien. Zum Workflow möchte ich mich hier auch gar nicht weiter auslassen – da hat Gunther von lrtimelapse.com sowohl Videotutorials als auch ein prima E-Book – Zeitraffer Aufnehmen und Bearbeiten im Programm. Inzwischen liest die Software auch direkt Daten von Speicherkarten ein, kann Initialisierungen u.ä. im Hintergrund durchführen und beherrscht noch so maches mehr!

Ebook Time Lapse Shooting and Processing

Adobe Premiere

Die einzelnen gewonnen Clips müssen natürlich noch zu einem kompletten Film zusammengestellt werden, eventuell mit Titeln versehen werden, mit normalen Videosequenzen kombiniert werden und Musik darf natürlich auch nicht fehlen. Video-Schnittprogramme gibt es nun zahlreiche und vielleicht tut’s auch der kostenlose Moviemaker – das muss jede(r) für sich entscheiden, so richtig billig ist Premiere ja nun nicht, es kann aber halt auch was für sein Geld. Ab  CS 6 ist dort auch das bisher in After Effects platzierte Stabilisierungstool enthalten – gerade für Walk-/Drive-/Hyperlapse-Szenen unverzichtbar.

Adobe After Effects

Der Qualitäts-Freak ging bis zur 3er Version von LRTimelapse mit seinen dort optimierten RAW-Dateien direkt in AfterEffekts um von dort in maximaler Qualität Videos rendern zu können. Mit der Möglichkeit in 6k und hochwertigem ProRes-Codec aus LRTimelapse rendern zu können, erübrigt sich das eigentlich vollkommen und AE bleibt speziellen Effekten vorbehalten, die mit der normalen Schnittsoftware nicht realisierbar sind.

3 Kommentare zu Software

  1. Carsten sagt:

    Hallo Uli,

    welche(n) Codec(s) setzt Du eigentlich ein?
    Mit welchen kann man denn kostengünstig (kostenlos) anfangen, wenn man sich damit mal ein bisschen beschäftigen möchte?

    Viele Grüße

    Carsten

  2. Uli Fehr sagt:

    Hallo Carsten,
    für’s Endprodukt nutze ich H.264, was z.B. auch von Vimeo empfohlen wird. Bislang war das natürlich auch der „intermediate“ codec, da Lightroom im Diaschaumodul nur diesen beherrscht. Mit der neuen LR-Version fällt das leider komplett weg, Gunther hat in sein LRTimelapse in der aktuellen Version aber ein Rendermodul eingebaut, das mit dem ProRes von Apple einen echten intermediate codec bietet, den ich bei neueren Projekten nutze – die Gefahr durch doppelte Komprimierung bei kritischen Szenen deutlich an Qualität zu verlieren ist damit kaum noch gegeben.
    Gekostet haben die beide „nichts“ weil in den Programmen die ich nutze enthalten.

  3. Martin S. sagt:

    Als Freeware kann ich auhc den Timelapse Creator von motionTec empfehlen.

    LG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.