Wie grau sind denn eigentlich Graufilter?

Graufilter sind unverzichtbares Hilfsmittel um bei Timelapseaufnahmen Belichtungszeiten zumindest in der Nähe der halben Intervallzeit realisieren zu können („180°-Shutter“) – insbesondere wenn man zur Vermeidung von Blendenflickern mit Offenblende arbeitet. Ein weiteres Anwendungsfeld sind Einzelbilder mit langer Belichtungszeit um bestimmte Bildeffekte zu realisieren – typischerweise um bewegtes Wasser auch in der Momentaufnahme „fließend“ erscheinen zu lassen. Im folgenden Bild eines kleinen Wasserfalls neben den Rheinfällen wurde 10s belichtet: Long Exposure Cascade

Graufilter gibt es in unterschiedlichen Dichten …

… um je nach vorhandenem Licht und gewünschter Belichtungszeit für alle Situationen gerüstet zu sein. Dabei sind drei Angaben zur Bezifferung der Lichtdämpfung verbreitet, die hin und wieder auch etwas durcheinander geraten: Das logarithmische Neutraldichtemaß, der Verlängerungsfaktor und die Blendenstufen, um die die Belichtung verändert wird.

64x = ND1,8 = 6 Blendenstufen Eine Ziffer gefolgt von einem x zeigt die Verlängerung der Belichtungszeit an. Mit einem 64x Filter muss also 64 Mal so lange belichtet werden. Das entspricht 6 Blendenstufen (2 hoch 6 ) – statt mit z.B. 1/500s ohne Filter muss (gerundet) nun 1/8s belichtet werden, um die gleiche Helligkeit im Bild zu erzielen. Bei den verwechslungsgefährdeten Zahlen hilft nur genau die Beschreibung lesen – bei günstigen ND4-Filtern dürfte es sich fast immer um 4x, also ND0,6 Filter handeln, die nur 2 Blendenstufen „bringen“ und keine 13 wie ein „echter“ ND4-Filter!

Neutraldichte ND Durchlässigkei Verlängerungsfaktor Anzahl Blendenstufen
0,0 100 % 1 0,0
0,3 50 % 2 1,0
0,45 35 % 3 1,5
0,6 25 % 4 2,0
0,9 12,6 % 8 3,0
1,0 10,0 % 10 3,3
1,2 6,3 % 16 4,0
1,8 1,6 % 64 6
2,0 1,0 % 100 6,6
3,0 0,1 % 1.000 10

Farbneutralität Natürlich sollten die Graufilter (englisch ND – neutral density) möglichst alle Anteile des sichtbaren Lichts gleichermaßen dämpfen. Tun sie dies nicht, kommt es zu Farbverschiebungen, die im Postprocessing u.U. nur teilweise korrigiert werden können. Nach einigen seltsamen Resultaten mit dem sündhaft teuren Hitech ProStop IRND ND3 („… it’s the world’s most neutral ND filter, especially at higher densities where other brands suffer from colorcast“ – über 80 Pfund bei teamworkphoto.com) habe ich ihn bei der letzten Kanarenreise nicht eingepackt und ihn somit nicht geklaut bekommen wie manch anderes 😉 Also so neutral ist das edle Teil: hightech_prostop_irnd Aufgenommen wurde in RAW eine weiße Wand mit EOS 6d und Tamron 24-70, auf alle Aufnahmen wurden in Lightroom die Objektivkorrektur angewandt und mit einer Farbtemperatur von 5300 und Tönung +19 „entwicklet“ – damit war die Aufnahme ohne Filter farbneutral: neutral Das Weißabgleichwerkzeug in LR gibt für die Aufnahme mit dem Hightech eine Farbtemperatur von 7900 und eine Tönung von +63 als Versuch aus eine neutrale Wiedergabe zu erzielen. Schlucken tut der Filter übrigens gut 12 Blendenstufen statt der versprochenen 10. Haida ND-Schraubfilter Ein 3-fach Set von Haida gibt’s selbst in üppiger 82mm-Slim-Ausführung für  unter 100€ und liefert folgende Resultate von 8x über 64x bis hin zu 1000x: 8x  64x  1000x 1000x_alt Erstaunlich finde ich, dass in einer Filterserie von leichter Blauverschiebung über Orangestich bis rot/magenta alles dabei ist. Und das vierte Bild? Nun, der gleiche Filter wie im dritten Bild – ein 82mm Haida 1000x ND-Filter, nur rund ein Jahr zuvor gekauft! Spricht nicht gerade für sinnvolle Produktentwicklung oder Fertingskonstanz aber die nötigen Farbkorrekturen halten sich im Gegensatz zum Hightech generell in Grenzen.

Filter                                         Farb- korrektur Tönungs- korrektur Blendenstufen nominell Blendenstufen effektiv
Hitech ProStop IRND ND3 +2600 +44 +10 10,6
Haida 8x -150 +8 +3 3,3
Haida 64x -1000 -8 +6 6,8
Haida 1000x -700 -32 +10 10,6
Haida 1000x – 2013 -200 -10 +10 10,0
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