Fisheye für’s Vollformat – 8 oder 8mm?

Mehr Weitwinkel soll her – primär um die Milchstraße für Zeitrafferaufnahmen komplett auf’s Bild zu bekommen und die zwei ungleichen Kandidaten hab‘ ich mir rausgesucht:

walimex-sigma

Warum ungleich wenn’s beide 8mm Fisheyes sind und sie mit 3,5 auch die gleiche Lichtstärke aufzuweisen haben?


Nun, das Sigma schlägt mit einem Ladenpreis von 850€ zu Buche (UVP 1149,-), das Walimex (vom koreanischen Hersteller Samyang) kostet mit 340€ nicht die Hälfte, hat dafür aber auch keinen Autofokus wie das Sigma und auch die Blende funktioniert rein mechanisch. D.h. allerdings auch, dass in den Exif-Daten keine Blendeninfo enthalten ist – meine 5D zeigt das Objektiv zudem mit 50mm Brennweite an.
Kann das Walimex dann überhaupt eine Alternative sein?
Für Timelapse auf alle Fälle, manuelles scharfstellen ist da kein Nachteil, beim Sternenhimmel und der Lichtstärke ist eh nicht viel mit AF und die mechanische Blende ist eher ein Vorteil da abgeblendet kein Flickern wg. nicht ganz identischer Blendeneinstellung von Foto zu Foto entstehen kann!

8mm sind nicht gleich 8mm

Einen guten Eindruck beim auspacken machen sie beide, das „neue“ Walimex hat im Gegensatz zum Vorgänger eine abnehmbare Streulichtblende, die es ohne drastische Eingriffe („rasieren“) auch für Vollformat geeignet macht – allerdings nur mit Einschränkungen:

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Das Bild links (Klicken für höhere Auflösung!) zeigt das Walimex an der 5D MII mit Sonnenblende, auf der rechten Seiten ohne Sonnenblende. Aber auch da schafft es leider keinen vollständigen Kreis ind er Abbildung! Das ist für das Sigma dagegen kein Problem und in Sachen Abbildung fallen noch zwei Punkte auf: Das Walimex zeigt bei Offenblende im Gegensatz zum Sigma einen sehr unscharfen Übergang zum schwarzen Rand und während der horizontale Bildwinkel beim Sigma nur wenig größer erscheint, verschluckt das Walimex oben und unten ein gehöriges Stück Bild – achtet unten auf das Stativbein!

Walimex-Sigma

Interessanterweise kehrt sich das Bild aufgrund der wohl unterschiedlichen Projektion der Objektive um, wenn es das Ziel ist, ein vignettierungsfreies 16:9 Bild für Video zu bekommen:

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Links das Walimex, das auf der rechten Bildseite noch deutlich die Tür mit blauem Rahmen zeigt, und sowohl oben (Dachfenster und nicht nur Rahmen) als auch unten (Holzkasten unter den schwarzen Matten) deutlich mehr abbildet als das Sigma rechts. Zudem nutzt das Walimex mit einer verbleibenden Pixelgröße von 3899 x 2193 den Sensor deutlich besser aus als das Sigma, bei dem nach dem nötigen Beschnitt nur noch 3144 x 1768 Pixel verbleiben – 8,55 zu 5,56 Megapixel und somit rund ein Drittel weniger!
Selbst ein Bild mit dem f 2.8/15mm von Sigma (unten) weist einen nur wenig kleineren Bildausschnitt auf und das bei den vollen Pixelabmessungen der 5 D (5616×3159) – vom 16:9-Beschnitt abgesehen.

und unendlich noch lange nicht unendlich 🙁

Sterne, Sterne, Sterne – dafür sollen Sie doch da sein, also mal Nachts raus und schauen was geht! In Stadtnähe, bei weit über 20° und hoher Luffeuchtigkeit natürlich nicht viel, die Bedingungen sind für beide ja aber gleich schlecht. Was direkt beim Scharfstellen per Liveview auffällt – ein bisschen Sternenlicht reicht bei f3.5 nicht aus, also hellere Lichtquell auf der Erde in ordentlicher Entfernung gesucht (oder mit Taschenlampe selbst geschaffen) und schon funktioniert das beim Sigma problemlos, beim Walimex will es nicht gelingen und auch eine Belichtungsreihe mit etlichen Bildern um die Unendlichmarkierung bringt kein einziges scharfes Bild zustande. Entweder ist die Optik einfach so schlecht oder mein Exemplar ist miserabel justiert.

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Hier zunächst zwei unbearbeitete RAW-Aufnahmen, schaut sie euch in der Großansicht an! Nachfolgend zwei 1:1-Ausschnitte, die den Schärfeunterschied deutlich zeigen:

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Alle Aufnahmen mit ISO 3200 bei Offenblende und 30s Belichtungszeit – Weißabgleich 5500 Kelvin, für „schön“ aussehende Milchstraße & Co. also deutlich zu „warm“. Das starke Rauschen ist übrigens der Umgebungstemperatur >20° geschuldet.

Fazit

Für „normale“ Fisheyeaufnahmen scheidet das Walimex wg. dem nicht vollständigem Abbildungskreis am Vollformat eigentlich aus, beim Einsatz für Kugelpanoramen ist das nicht so tragisch (siehe hierzu Bericht auf pixelrama.de zum Walimex). Unschön aber auch hier die fehlenden Exifdaten zu Blende und insbesondere Brennweite, die die Stitchingsoftware zum Zusammensetzen der Panoramen benötigt. Klar, kann man editieren aber eben noch ein Arbeitsschritt mehr.
K.O.-Kriterium zumindest für mein Exemplar ist die fehlende Scharfstellmöglichkeit auf unendlich. Das ist zwar auch mit Abblenden um eine Stufe getan, für Aufnahmen vom Sternenhimmel ist das aber keine Option, die Anfangsöffnung von 3.5 ist hier ja schon grenzwertig.

Überraschend für mich war das Abbildungsverhalten, also dass das Walimex trotz gleicher Brennweite weniger auf’s Bild bekommt und sich das aber deutlich umdreht, wenn man auf einen vignettierungsfreien 16:9 Beschnitt für Timelapsevideos geht. Das dürfte daran liegen, dass das Walimex eine winkelgetreue, stereografische Projektion nutzt, das Sigma dagegen eine äquidistante (vgl. Wikipedia-Artikel). Der nur recht kleine verbleibende Unterschied zum 15mm Sigma dürfte der dort vermutlich verwendeten flächentreuen Projektion geschuldet sein, die ideal für die vollformatige ebene Abbildung ist, wohingegen bei den ebiden anderen durch den Beschnitt weitaus mehr Verlust entsteht.

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5 Kommentare zu Fisheye für’s Vollformat – 8 oder 8mm?

  1. Michi M. sagt:

    Interessanter Vergleich, danke dafür! Findet man auch nicht so oft und ich habe mich oft gefragt wie Walimex Objektive im Vergleich zu anderen abschneiden, zumindest beim Fisheye. Ich kenne das Sigma 8mm nicht, aber das 8-16mm konnte ich auf Fuerteventura testen und ich hab mich echt verliebt. Leider musste ich es zurückgeben, aber wenn die Brieftasche nicht mehr jammert werde ich es mir kaufen.

  2. Uli Fehr sagt:

    Danke für das Feedback Michi.
    Mich hat das Walimex aufgrund des attraktiven Preises und der sonst ja erst mal identischen Daten zum viel teureren Sigma interessiert – AF brauch ich ja nicht wirklich. Der geringe PReis hat dann aber doch im übertragenen Sinn seinen Preis 🙁

  3. Travel Nerd sagt:

    Hallo Uli,

    toller Test.

    Habe mir ebenfalls ein Walimex (Walimex Pro AE 14 mm 1:2,8) zugelegt. Im Bezug auf die Schärfe leider ähnliche Erfahrung gemacht. Tja, Qualität hat halt doch seinen Preis. Oder wie heißt es doch so schön: „You always get what you are paying for“.

    Hast Du inzwischen ein paar Aufnahmen der Milkyway machen können?

    Grüße

    Travel Nerd

  4. Roger Osterbrink sagt:

    Danke für die tolle Ausführung. Ich habe mir heute mein walimex gegen ein sigma ausgetauscht. Ich hatt auf mehr Schräfe und weniger Bilder bei virtuellen Rundgängen gehofft. Die Schärfe Sigma ist ähnlich arm wie die des Walimex. Hben Sie einen Tipp was mehr Schärfe betrifft?

    Danke Roger

    • Uli Fehr sagt:

      Hallo Roger,
      nein – eine Empfehlung für mehr Schärfe bei der Brennweite habe ich nicht nicht parat schon allein weil es kaum was vergleichbares auf dem Markt gibt. Ein Blick wert sicherlich das Canon 8-14 – siehe Praxistest hier.

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