Der LRTimelapse PRO Timer 2.5 – der “Holy Grail” der Timer?

Die schicke Verpackung und darunter der mindestens so schicke Timer selbst.

Schon 2017 hatte Gunther Wegner (https://gwegner.de und https://lrtimelapse.com) mit dem “LRTimelapse Pro-Timer free” die Anleitung für ein Selbstbauprojekt auf Basis eines Arduinocontrollers kostenfrei zur Verfügung gestellt. Es wurde damals fleißig nachgebaut da der Timer bereits einige Funktionslücken für Zeitraffer geschlossen hatte. 2018 folgte der LRTimelapse pro Timer 2.0 in deutlich kleinerem Gehäuse mit verbessertem Bedienkonzept, besserem Display (OLED statt LCD), leistungsstärkerem Prozesser etc. Der Nachteil: Handgelötet von Matthias Uhlig (ehemals Shop “Kids of all Ages”) in Kleinauflage von 100 Stück und die war an einem Tag weg (der Blogbeitrag dazu).

Mit * markierte Links sind Amazon-Affilatelinks zugunsten eines gemeinnützigen Sportvereins. Der Timer wurde mir kostenfrei von Gunther Wegner ohne jegliche Vorgaben/Einschränkungen bezüglich Berichterstattung zur Verfügung gestellt – es handelt sich bei dem Beitrag und Video zu 100% um meine vollständige und unabhängige Meinung zu dem Produkt.

“Endlich”: LRTimelapse Pro Timer 2.5 auf Amazon*

Auch zur Entstehungsgeschichte und den Herausforderungen bei so einem Projekt verlinke ich zum nachlesen auf den Blogeintrag von Gunther Wegner. Bei allen Schwierigkeiten und Verzögerungen die bei sowas fast unvermeidlich auftreten, steht der Timer nun kurz vor der Auslieferung über Amazon. Aber genug der Einleitung, hier mein ungeschminktes und fast ungeschnittenes Video zum ersten Kontakt mit dem Timer. Keine Anleitung auswendig gelernt oder vorher groß rumprobiert – was da also in der Bedienung nicht so souverän rüberkommt nicht dem Timer anlasten 😉 Aber seht selbst:

Die Eckpunkte zum LRTimelapse Pro Timer 2.5

Da ich’s gerne auch schriftlich habe, ein paar Dinge aus dem Video und darüber hinaus zusammengefasst:

  • durchdachtes, ansprechendes Design – klein, leicht und dennoch gut zu bedienen und abzulesen
  • Meiner Meinung nach sehr intiutives und insgesamt ausgezeichnetes Bedienkonzept mit einem zentralem Drehknopf: Werte ändern bzw. Scrollen im Menü durch Drehen. Mit Klick wird bestätigt/ausgewählt, ein langer Druck führt zurück bzw. zeigt Optionen an – mehr gibt es nicht! … Naja doch – einen kleinen Schiebeschalter zum Ein- bzw. Ausschalten (und kein Folientaster mit unbekanntem Status o.ä.) und hier kaum erwähneswert ein Resetknopf – primär bei Firmwareupdate notwenig.
  • variable Befestigungsmöglichkeiten: 2x zum aufschieben auf den Blitzschuh der Kamera – somit bequemer Einblick von hinten oder oben möglich. Lasche zum durchfädeln z.B. eines Klettbands und eine weitere kleine Öse für eine Handschlaufe o.ä.
  • Firmwareupdates und somit auch Funktionserweiterungen möglich und das supersimpel: Anschließen am Rechner per Micro-USB Resetknopf 2x drücken, auf das gemountete Laufwerk eine Updatedatei schieben – fertig! Installiert sich selbst, entfernt das Laufwerk und der Timer steht direkt mit neuer Firmware zur Verfügung.
  • Die Betriebszeit ist mit 24h / 21.000 Auslösungen (bei 4s Intervall mit Display) angegeben. Ich hatte bei einem ersten Test nach 11 Stunden und 10.000 Auslösungen noch 50% Akkuanzeige – dürfte also eine realistische Angabe (bei Zimmertemperatur) sein. Zudem ist die Anzeige eher konservativ – nach bereits blinkendem Batteriesymbol und 0%-Anzeige lief der Timer bei mir noch über 2 Stunden. Von 0 bis 101% mit einem 2A USB-Lader übrigens 3 Stunden. Wichtiger als eine Stunde mehr oder weniger: der Timer kann im Betrieb geladen werden – einfach über USB (Powerbank oder was auch immer) verbinden und der interne LiPo-Akku dient nur noch als Puffer. Hier ist auch sehr gut denkbar, einen kleinen Solarlader anzuschließen für (sonnige) Langzeitgeschichten. Auf dem Niveau z.B. des Timelapse+ view allerdings schon deutlich unter den 08/15-LCD-Timern. Man muss ihn in die Vorbereitungsroutine (Speicherkarte checken, Akkus checken/laden, Objektive säubern etc.) einbeziehen und gut isses.
  • Die integrierte Uhr wird von einer separaten Knopfzelle versorgt sodass auch bei leerem Hauptakku die Einstellungen erhalten bleiben – ist eine handelsübliche Zelle mit der Bezeichnung CR1220 die vermutlich deutlich länger als 1 Jahr hält. Zum wechseln muss man den Drehknopf abziehen und die zwei Clips auf der Gegenseite leicht eindrucken. Dann kann man die “Innereien” aus dem Gehäuse ziehen und die Batterie austauschen – nicht superkomfortabel aber der Aufwand für ein explizites Batteriefach an das man vielleicht alle 2-3 Jahre ran muss passt da vermutlich nicht.

Zu den Funktionen & Besonderheiten:

Erstmal eine ganz subjektive Liste mit den Highlights bzw. teilweise Alleinstellungsmerkmalen die – nachträglich betrachtet – ganz schön lange geworden ist 😉

  • Intervalle ab 0,3s in 1/10s Schritten (die bei längeren Intervallen stufenweise sehr sinnvoll ansteigen – bei 10min sind 1/10s ja wirklich bedeutungslos) – das kann sonst meines Wissens nach kein anderer handelsüblicher Timer. Gerade bei schnell ziehenden Wolken, Menschen, Straßenverkehr o.ä. ist die Beschränkung auf eine, zwei doer drei Sekunden oftmals unbefriedigend – jetzt nicht mehr!
  • kein Zeitverlust durch AF-Signal wie bei den meisten anderen Timern
  • Timed Timelapse – ich kann Datum (!) und sekundengenaue Uhrzeit einstellen zu der die Zeitraffer starten soll.
  • (fast) perfekte Anzeigeinfos:
    • Schon beim Einstellen der Zeitraffer wird deren Laufzeit aus Intervall und Bildanzahl berechnet angezeigt. (Die Laufzeit der fertigen Sequenz bei einstellbarer Wiedergabefrequenz wäre hier das “i-Tüpfelchen”)
    • Während der Zeitraffer wird Intervall, verstrichene und verbleibende Zeit sowie schon geschossene und noch verbleibende Bilder angezeigt (sofern Anzahl der Bidler definiert wurde) und noch dazu die Zeit bis zur n ächsten Auslösung – wichtig bei nötigen Einstellungsänderungen! Mit kurzem Dreh änderbar in nur Bildanzahl und verbleibende Zeit oder auch bis auf ein blinkendes Pixel ist das Display ganz ausschaltbar.
  • hohe Kompatibilität/Flexibilität
    • die Länge des Auslöseimpulses ist in 10ms-Schritten einstellbar (und sollte damit jede Kamera zufriedenstellen),
    • der AF-Impuls (gleichzeitig für Belichtungsmessung) ist ebenfalls einstellbar und wie schon erwähnt mit 0 ms Dauer komplett ausschaltbar.
    • Auch die Verzögerung bis zum Beginn der Zeitraffer (um Verwacklung des ersten Bilds zu verhindern) ist einstellbar. Das ist auch im Single-Bulbmodus nutzbar und kann auch als “Selbstauslöser” verwendet werden um schnell in die Szene zu schlüpfen 😉
    • Wichtig für Kameras (insbesondere spiegellose), die sich in den Standby-Modus versetzen um Strom zu sparen und dann einen Auslöseimpuls ignorieren können: Einstellbarer “Aufweckimpuls” vor dem Auslöseimpuls.
    • Alle Werte können dauerhaft abgespeichert werden.
  • Ramp Interval – (Nur) während der laufenden Zeitraffer kann die Intervallzeit über einen einstellbaren Zeitraum linear auf eine neue (längere oder kürzere) Intervallzeit geändert werden. Das kann auch kein mir bekannter Timer – der Timelapse+ view kann das z.B. zwar auch, ist aber ein völlig anderes, komplexeres Gerät (zum exposure rumping) als der reine Timer hier. Perfekt um Wolken bei Sonnenuntergang bzw. den Untergang selbst relativ langsam mit Intervallen von so 2-6 s rum aufzunehmen und in der blauen Stunde auf 15-30 s für typische Intervalle des Sternenhimmels zu ändern. Das noch im Vorfeld als “Timed Timelapse” programmierbar wäre hier eine wünschenswerte Erweiterung.
  • Einstellung bzw. Zählung der Auslösungen nicht wie bei vielen anderen Timern auf 999 begrenzt, sondern lässt mit > 100.000 (getestet, vermutlich 999.999) bzw. Einstellung unbegrenzt bis die Speicherkarte voll oder der Akku leer ist wirklich keinen noch so außergewöhnlichen Wunsch offen.
  • angegebener Einsatz bis -20° C (nicht geprüft/getestet) – so manche Li-Powerbank schaltet bei kaum unter Null Grad einfach mal ab und die LCD-Displays vieler Timer werden bei Minusgraden extrem träge bis nicht mehr nutzbar da die “Liquid Christals” halt nicht mehr flüssig genug sind. Das ist dem OLED-Display tatsächlich egal wie ein Test im Gefrierfach zeigte.

Weitere Features:

  • Bulbmodus & Astrotimelapse – im Bulbmodus über die typische 30s-Grenze hinaus bis zu 24 Stunden belichten (jedenfalls lange genug für alles was man sinnvoll machen kann). Einzeln oder als Zeitraffer.
  • 2 Triggerausgänge um direkt zwei Kameras (z.B. unterschiedliche Brennweite oder für 3D/Pano-Aufnahmen) ansteuern zu können oder um eventuell parallel die Kamera auszulösen und einen Motion Controller anzusteuern.
  • “Flashlight” – Das Display kann mit einstellbarer Intensität (und um 180° zur üblichen Montage) zur schwachen Beleuchtung des Vordergrunds bei Astroaufnahmen verwendet werden.

Kritikpunkte, Erweiterungsideen

Nur zwei Dinge sind mir und sicherlich auch Euch im Video aufgefallen und beide sind inzwischen ausgeräumt. 🙂
Der Drehknopf reagierte da bei mir auf den kurzen “Klick” oft erst beim zweiten oder dritten Mal. Das ist im Video einerseits der etwas unnatürlichen Handhaltung geschuldet und zweitens dem Vorserienmodell, das ich zum testen hatte. Die zur Auslieferung an Amazon übergebene Charge hat einen klaren Druckpunkt wie mir Gunther auf Rückfrage versicherte und mit einer kleinen Modifikation konnte ich das bei meinem Modell auch nachvollziehen – da braucht Ihr Euch also keine Sorgen zu machen.
Dann gab es noch einen kleiner Bug beim möglichen Pausieren einer Zeitraffer in der Firmware – nach dem Fortsetzen sind die Intervalle zunächst viel kürzer als eingestellt. Fast so als wolle der Timer die in der Pause angestandenen Auslösungen “nachholen” wollen. Das ist wenige Stunden nach der Info an Gunther Wegner inzwischen mit der r9-Firmware aber bereits gefixed und unterstreicht eher positiv den guten Support als dass es ein Kritikpunkt wäre.

Nach dem neugieren Blick ins Innere – um berichten zu können wie das mit dem Wechsel der Batterie für die interne Uhr ist – vielleicht an der Stelle noch der Hinweis, dass der Timer nicht wasserdicht ist. IPx1 schätze ich mal, also geschützt gegen Tropfwasser. Alle Verbindungen “nach draußen” sind potentiell Eintrittsort für Wasser/Feuchtigeit, da nicht explizit abgedichtet – bei ein bisschen Nieselregen wird nichts passieren. Nun – was nutzt ein triggernder IP68-Timer wenn die Kamera längst abgesoffen ist und schon bei ein bisschen Spritzwasser die Flecken auf der Linse die Ergebnisse ruinieren? Im Hinblick auf die Gesamtkette ist das also verschmerzbar – im Risikofall den Timer einfach auf den Blitzschuh stecken und unter den Regenschutz für die Kamera aufnehmen und alles ist gut.

Denkbare Erweiterungen/Verbesserungen

In der Hoffnung, dass ich nicht nur zu doof war sie zufinden bzw. wahrzunehmen sind mir folgende Punkte in den Sinn gekommen:

  • Anzeige der Laufzeit der Zeitraffersequenz im Einstellmenü (und irgendwo im configfile dazu die Abspielfrequenz einstell-/abspeicherbar) – edit 17. April: Mit der r11-Firmware un dem neuen Menü “Custom TL” bereits umgesetzt!
  • Kombination der Timed-TL-Funktion mit dem Bulb-/Astromodus
    edit 17. April: Mit der r11-Firmware un dem neuen Menü “Custom TL” bereits umgesetzt!
  • Programmierbarkeit des Intervall-Rampings im Sinne einer Timed-Timelapse
  • Eventuell Möglichkeit HDR-Timelapse zu triggern (braucht/macht das jemand?)
  • Gunther freut sich bestimmt über Eure Anregungen im Forum sofern sie denn umsetzbar sind – also los! 😉

Keine ernsthaften Kritikpunkte in meinen Augen: Eine automatische Umstellung Sommer-/Winterzeit gibt es nicht – 2021 soll sie laut EU ja auch abgeschafft werden. Die 4 Termine, an denen das bei einer Timed-TL also noch relevant werden könnte – selber dran denken 😉
Klar könnte der Timer WLAN haben und selbstständig nach Firmwareupdates suchen – der Kostenfaktor und Energieverbrauch steht da aber in keinem Verhältnis zum kleinen Nutzen und der Updatevorgang ist echt super einfach. Auch eine sonst typische Ladeanzeige z.B. per roter bzw. grüner LED kostet nur Geld und Strom – einschalten und auf das Symbol schauen bzw. prozent”genau” unter Status nachschauen …
Im Lieferumfang ist kein Ladegerät enthalten – zum Glück. Ich hab schon so viel Müll rumliegen mit irgendwelchen billig USB-Steckernetzteilen von allen möglichen Geräten – das muss wirklich nicht sein. Die 500mAh sind auch schnell nebenbei über die USB-Buchse am Rechner geladen, Powerbank, selbst im AUto ist inzwischen fast überall eine USB-Buchse …
Ebenfalls nicht enthalten ist das Verbindungs-/Auslösekabel zur Kamera – ist ja oft schon vorhanden bzw. kann einfach bei Amazon passend mitbestellt werden – Links dazu ganz unten.
Akkulaufzeit – auf dem Niveau z.B. des Timelapse+ view allerdings sehr viel niedriger als von 08/15-LCD-Timern. Das könnte man jetzt schon als kleines Manko ankreiden aber wenn man ihn einfach in die Vorbereitung, die man eh immer macht (Speicherkarte checken, Objektive säubern und eben Akkus aufladen) dann ist das auch kein Ding und ausgeschaltet hält sich die Ladung “ewig”.

Fazit:

Ein tolles Gerät dem man anmerkt, dass es von jemand entwickelt wurde, der ein Vollprofi in dem ist, für was es entwickelt wurde. Sicher auch, dass es mit den beiden Vorläufern eine gewisse Entwicklungsspanne und Praxiserprobung hinter sich hat und nicht schnell als ein unpersönliches Projekt von vielen auf den Markt geworfen wurde wie man manchmal bei günstigen Produkten den Eindruck hat.

Absolut durchdacht mit vielen Features bei denen man denkt “ach, das ist ja toll”. Tolles, praxistaugliches und intuitives Bedienkonzept mit teilweise einzigartigen Möglichkeiten bei nur einen kleinen Bug den ich (möglicherweise) gefunden habe ergeben am Ende eine klare Kaufempfehlung!
Und ja, der “Holy Grail” der Timer in Anlehnung an die ehrfurchvolle Bezeichnung der Tag-Nach-Zeitraffer scheint gefunden zu sein – es ist der LRTimelapse Pro Timer 2.5 🙂

Affilatelinks zu Verbindungskabeln Timer – Kamera und weiteres Zubehör (die Kompatibilitätsangaben sind 1:1 von den jeweiligen Anbietern übernommen):

Noch zwei Anmerkungen am Rande: Dass die Lieferung bei aller berechtigten Kritik an so mancher Amazonpraxis mit dieser Online-Verkaufsplattform schlechthin geschieht, mag nicht jedem gefallen aber “wir” wären sicher auch nicht glücklich, wenn der Eigenvertrieb eines 1-Mann-1-Frau-Unternehmens bei Urlaub oder “Dienstreise” stillstehen würde oder die Weiterentwicklung von LRTimelapse ins stocken geraten würde, weil der ganze administrative Kram um den Timer Kapazität bindet. Zahlungs- und Versandmanagement, Retouren etc. sind da einfach ein zu großer Zeitfresser und als jemand, der nebenberuflich ein paar Jahre einen Versandhandel auch mit selbst entwickelnten Produkten betrieben hat – glaub’s mir!
Und vergleicht bitte den von Null an entwickelten Timer preislich nicht mit 08/15-“Chinaware” oder denkt euch “Boah ist der teuer – da steckt doch höchsten für 30€ Material drin.” Das ist wie “ach nur für einmal auf den Auslöser klicken” willst du 100€ für ein einiziges Portraitfoto haben?” ohne Anreise, KnowHow, Zeit für’s Aussuchen und Bearbeiten der Bilder, Soft- und Hardware etc. zu berücksichtigen – und versucht mal in Hongkong jemand kompetentes für ‘ne Supportanfrage zu bekommen 😉

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Mal wieder Kanaren, erster Einsatz der Sony A7sa und ein großer Wurf steht an – der LRT pro Timer 2.5

Fast unverschämt lange konnte ich mich auf den Kanaren rumtreiben und natürlich – kein Blogeintrag. Naja – doch, den hier. Alibihalber am Abreisetag und fast den Flieger verpasst 😉

Fanszinierende Lichtstimmungen, grandiose Sonnenauf- und -untergänge, eine fast surreale Landschaft, unheimliche Stille in den kristallklaren Nächten – der Teide Nationalpark auf Teneriffa 🙂

Licht und Schatten gab’s – noch nie so viel Mist produziert wie diesesmal ist der aktuelle Eindruck trotz einiger toller Zeitraffersequenzen, bis die 3 TB an Zeitraffern bearbeitet sind, brauche ich wohl noch ein wenig 😉 Jedenfalls falsche Handsteuerung der Montierung eingepackt, Akkus leer, Speicherkarte voll, Linsen beschlagen (wo’s sonst knapp über 0% Luftfeuchtigkeit hat!), Wolken wo keine sein sollten (vorm Mond), keine Wolken wo welche sein sollten, ein Adapter für die Sony der mit gewaltigen Unschärfen am Rand Sequenzen unbrauchbar gemacht hat bis ich es bemerkt hatte und bei der einzigen Chance auf eine geplante Sequenz auf die Planung der Nacht davor vertraut – hundsmüde beim warten auf das Ende einer Zeitraffer. Arghhh:

Mit knapp 4m Brennweite sollte der “riesige” Mond direkt hinter der Teidespitze und den Gipfelstürmern untergehen – 4k-Video hier mit 10-facher Geschwindigkeit.

Doch dazu in den nächsten Tagen mehr – ebenso zu ein paar Sequenzen, die ich “Astrolapse” nenne …

Das Zentrum unsreer Galaxie gehr über den Observatorien auf dem Roque de los Muchachos (La Palma) auf.

Noch kurz zur Astromodifikation der Sony A7s:

Funktioniert. Einigermaßen. Der Weißabgleich ist schon schwierig, gerade wenn man für Zeitraffer was terrestrisches mit drauf nimmt. Nicht selten war in Lightromm der Regler der Farbtemperatur mit 2000 Kelvin am Anschlag und es hat immer noch nicht so ganz gepasst. Ohne Filter 2/3 Blendenstufen empfindlicher als die A7rIII aber so richtig toll kommen die H-alpha Gebiete doch erst mit Filter raus und da ist die erhöhte Empfindlichkeit natürlich wieder (mehr als) weg.
Ich komme trotz Komplettumbau ohne Klarglasersatz mit allen Objektiven bei unendlich in den Fokus – ausgerechnet natürlich mit dem Samyang 85/1,2 nicht, welches perfekt für Astrozeitraffer wäre und ich auch genau dafür beschafft habe. Murphy’s Law mal wieder …

Einzelbild einer Zeitraffersequenz mit der astromodifizierten A7s (10s bei ISO 10000, f2 mit Samyang 85/1,2) – das rote Gebilde rechts NGC 7000, der Nordamerikanebel, der über/neben dem Teide aufgeht. Zwischen Teidespitze und dem Meteor ein Hauch von Kokonnebel

LRT pro Timer 2.5

Gunther Wegner hat nicht nur einen tollen Fotoblog (https://gwegner.de) und mit LRTimelapse (Affilate-Link) die Software schlechthin für die Bearbeitung von Zeitraffersequenzen entwickelt, sondern in der Vergangenheit auch schon einen speziell auf unsere Belange ausgerichteten Intervallauslöser entwickelt. Der fand so guten Zuspruch, dass es letztes Jahre einen verbesserten Nachfolger gab, dessen Kleinauflage an einem Tag weg war. Nun steht die Version 2.5 in den Startlöchern und ich darf ihn testen 🙂
Hier der Blogbeitrag von Gunther mit verschiedenen Updates zur v. 2 und hier zur aktuellen Version 2.5 – mehr dazu in Kürze!

Astromirador auf La Palma – die Skulptur von César Manrique war willkommener Vordergrund für eine Zeitraffer. Dazu braucht es natürlich einen zuverlässigen Timer wie den LRT Pro Timer.
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Sony A7s Astromodifizierung – selbstgemacht

Ich hatte hin und wieder mit dem Gedanken gespielt, meine “alte” A7s noch astrotauglicher zu machen und den IR-Sperrfilter ausbauen zu lassen. Dadurch wird die Kamera im langwelligen Bereich, insbesondere bei der hellsten Emissionslinie von Wasserstoff (H-alpha), empfindlicher. Das macht sich in der Astrofotografie bei vielen Nebeln positiv bemerkbar. Es gibt einige Anbieter hierfür, z.B.

Die bis zum Sensor zerlegte A7s – im Vordergrund der entfernte Staubfilter, der eigentliche IR-Filter ist noch auf dem Sensor.

Nun war ich wieder etwas knapp vor der nächsten Reise – obwohl, immerhin 4 Wochen, aber man ließ sich schon mit der Beantwortung von E-Mails jeweils mehrere Tage Zeit und der Aussage “machen wir in wenigen Tagen, kein Problem” hab ich dann nicht mehr so recht vertraut.
Also Schraubendreher her und los geht’s 😉

Gute Hilfestellung bei der Demontage der A7s lieferte die Seite www.lifepixel.com

Der Umbau im Schnelldurchlauf:

Mit der guten, schrittweisen Domumentation von Lifepixel ging die Demonatge völlig problemlos vonstatten. Die Zweifel, ob ich das alles wieder zusammen bekommen würde, wuchsen aber durchaus von Schraube zu Schraube 😉
Bzw. besser von hauchdünner Kabelverbindung zu noch fragilerer Kabelverbindung, die es zu trennen gab. Eine mit Klebeband gepolsterte kleine Pinzette ist hier sicherlich hilfreich. Beim Zusammenbau vorsichtig passend anlegen und mit den meist vorhandenen winzigen Ausbuchtungen abwechselnd rechts und links wieder in die Buchsen schieben …

Der Ausbau des IR-Sperrfilters war bei meinem Modell leider nicht so einfach wie es in dem Tutorial aussieht. Er wurde nicht einfach durch einen Halter fixiert, sondern war an den Rändern stabil aufgeklebt. Dem Sensor derart rabiat auf die Pelle zu rücken kostete mich einige Überwindung und ich war mir zwischenzeitlich nicht sicher, ob der Staubfilter nicht schon alles war, was es zu entfernen gilt. Wenn man mit einem scharfen und stabilen Cutter oder Skalpell an einer Ecke in den Spalt kommt und vorsichtig hochhebelt, löst sich das grünliche Filterglas aber schließlich doch langsam. Da der Staubfilter eh eine (winzige) Schramme hatte, hab ich den auch gleich weggelassen. JTW macht das wohl auch so (” We remove both the low pass and the IR/UV cut filter “), sicher bin ich mir da nicht. Jedenfalls Objektivwechsel am besten nur noch in der sterilisierten Plastiktüte, mal schauen wie es sich verhält 😉

Fast noch erstaunlicher war der problemlose Zusammenbau – alles passte da, wo es hin sollte und auch die Steckverbindungen ließen sich wieder ohne Beschädigungen anbringen. Nettozeit waren 2,5 Stunden und perfekt war’s nicht – eine Schraube blieb übrig und die beiden Klappen auf der linken Seite gehen jetzt ziemlich leicht auf. Aber was solls – entscheidend ist natürlich, ob sie überhaupt noch funktioniert! Immerhin fehlt einfach ein elektronisches Teil und das muss ja fast für Verstimmung bei so einer modernen Kamera führen, die sich selbst gegen Fremdakkus zu Wehr setzt. Also Akku rein, einschalten und … die einzige Fehlermeldung war “No SD-Card”, sonst alles wie zuvor 🙂

Wenig erstaunlich, dass die vordefinierten Weißabgleiche wie “bewölkt” (gar nicht) passen und auch der automatische Weißabgleich funktioniert nicht. Erstaunlicherweise passen die Farben auf den ersten Blick mit einem individuellen Weißabgleich durch die Kamera auf die Hauswand ziemlich gut – der Schnee ist weiß, rot und blau des Haleverbotschilds passt und die Wiese ist momentan halt so gelb-braun wie sie abgebildet ist. Die künstliche Beleuchtung in dem Gebäude ist beim genauen Hinschauen allerdings seltsam grün. Der Autofokus funktioniert mit dem Tamron 2,8/24-70mm mit Canonanschluss und Adapter überhaupt nicht, mit dem Sigma 20/1,4 ging es – für Astrofotografie aber völlig egal. Ob ich mit allen Objektiven auf unendlich fokussieren kann, muss ich noch prüfen und natürlich auch wie unterschiedlich sich der Nachhimmel zeigt – dazu müsste er sich aber erst mal zeigen …

Der eine und andere Astronomik Clipfilter muss aber wohl doch noch her – werde berichten …
Bei mir scheint es gutgegangen zu sein aber versteht den Bericht jetzt nicht als Empfehlung – man sollte sich bewusst sein, dass man seine Kamera zerstören kann!

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Tag-Nacht Übergänge mit qDslrDashboard aufnehmen

Auch leicht überzeichnet als Holy-Grail (Heiliger Gral) bezeichnet weil es mit zum schwierigsten gehört, was man in der Zeitrafferwelt machen kann. Die Herausforderung liegt in der optimalen Anpassung der Belichtung aufgrund der gravierenden Helligkeitsänderungen und eine elegante Möglichkeit bietet schon länger die Software qDslrDashboard.
Seit kurzem wieder für die Apfelgemeinde im Store verfügbar, gibt’s auch eine Android-App und als Desktopversion für Windows, Mac und Linux.

Besonders interessant macht die App die perfekte Abstimmung auf LRTimelapse und daher findet ihr auch bei Gunther Wegner aktuell einen schönen Artikel und ein Video zum Heiligen Gral mit qDslrDashboard:

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Mondfinsternis am 21. Januar

Da es nach der anstehenden Mondfinsternis von Bildern nur so wimmeln wird oder das Netz voll von Wolkenmeldungen sein wird, schreibe ich einen Blogeintrag einfach mal vorher 😉

Der Mond erscheint im Kernschatten der Erde rötlich, daher die Bezeichnung “Blutmond”

Ablauf der Mondfinsternis
Die Grafik von Arnold Barmettler zeigt eine anschauliche Darstellung der wichtigsten Eckdaten – detailliertere Informationen dazu gibt es unter CalSky.com.

Mondfinsternis vom 21. Januar 2019

Die Zeiten differieren je nach Standort (lässt auf CalSky exakt berechnen) aber es ist klar: Nix für Langschläfer! Mit bloßem Auge ist die Halbschattenphase fast nicht zu erkennen – fotografisch fällt die Helligkeitsdifferenz dagegen schon auf. Interessant ist vor allem die Zeit, in der sich der Mond im Kernschatten der Erde befindet.

Wie fotografiert man die Mondfinsternis?

Zur Not geht das sogar mit einer Kompaktkamera mit großer Brennweite so ab 200mm – sonst hat man am Ende nur einen kleinen, beliebigen Punkt auf dem Display. In der totalen Phase der Finsternis ist der Mond sehr dunkel so dass der Autofokus oft nicht funktioniert. Für erfahrene Nachtfotografen natürlich kein Problem, die sind das manuelle Fokussieren eh gewohnt. Auch mit der Belichtungsautomatik kommt man meist nicht zu zufriedenstellenden Resultaten. Bei Brennweiten deutlich unter 1.000 mm nimmt der Mond einfach zu wenig Platz im Bild ein, als dass die Automatik richtig liegen kann. Spotmessung oder besser manuell einstellen hilft.

Der normal beleuchtete Vollmond – 1950mm bei 200mm Öffnung (also f 9,8) und leicht beschnitten. ISO 1000 mit der Sony A7s bei 1/1000s.

Etwas professioneller natürlich mit stabilem Stativ, manuellen Einstellungen und der Aufnahme im RAW-Format – insbesondere für die korrekte Farbeinstellung bringt das hier klare Vorteile gegenüber JPG. Für Bilder vom einigermaßen formatfüllendem Mond blendet man üblicherweise deutlich ab – Blende 8 ist ein oft verwendeter Wert. Das gilt allerdings für den beleuchteten (Voll-) Mond, der selbst so weit abgeblendet und mit niedriger ISO-Einstellung gut belichtet wird. Wäherend der Finsternis schaut das ganz anders aus:

Der noch nicht ganz verfinsterte Mond vom 28.09.2015 über dem Flaggenturm in Bad Dürkheim. Knapp 200 mm Brennweite bei f 8, ISO 2500 und 0,6 s mit EOS 6d.

Geht es um einzelne Bilder ist das mit der Belichtung kein größeres Problem – so schnell geht das alles ja nicht vonstatten, als dass man nicht ein paar Probebilder machen könnte oder einfach eine Belichtungsreihe. Anders schaut es bei Zeitrafferaufnahmen aus – hier muss die Belichtung wie bei Tag-Nacht-Tag Aufnahmen ständig angepasst werden wenn man den Mond selbst immer korrekt belichtet haben möchte. Der Timelapse+ View hat einen extra Eclipsemode und natürlich kann man auch mit qDslr-Dashboard o.ä. arbeiten aber bei so spezieller Aufnahmesituation würde ich der manuellen (berührungslosen!) Anpassung mit Blick auf Display und Histogramm mehr vertrauen.
Aufpassen muss man natürlich auf die Belichtungszeit – selbst mit stabilem Stativ führt die Mondbewegung zu Unschärfe. Die gute alte Faustformel 500/Brennweite liefert einen Anhaltspunkt und lieber ein/zwei Stufen kürzer, wenn man mit dem ISO-Wert nicht zu hoch gehen muss. Zumindest ein leichtes Abblenden sollte man möglichst beibehalten – bei Offenblende zeigen die wenigsten Objektive eine wirklich gute Schärfe.
Bei langen Brennweiten und Verschlusszeiten sind Stichpunkte wie Fernauslösung (oder Selbstauslöser) und Spiegelvorauslösung – sofern man nicht mit spiegelloser Kamera unterwegs ist – wichtig, um ein Verwackeln zu verhindern.

Ein paar Ideen in Sachen Mondfinsternis:

  • Der Klassiker – ordentlich rangezoomt den Blutmond in den Mittelpunkt stellen. Ein bisschen netter vielleicht, wenn er nicht ganz verdunkelt ist aber dennoch: Die Bilder finden sich tausendfach zum verwechslen ähnlich an jede Ecke …
  • Sternkonstellationen & Co. – Programme wie Stellarium verraten dem ambitionierten Fotografen, ob nicht ein Planet, ein Sternbild oder gar ein helles DeepSky Objekt während der Totalität in fotografischer Nähe auf die gemeinsame Abbildung wartet. Ein wenig rauszoomen, ein zweites Objekt in die Komposition einbeziehen und schon setzt man sich von der “Massenware” ein wenig ab. An Sternbildern haben wir aktuell Krebs und Zwillinge zwischen denen sich der Mond in der Finsternisnach aufhält, mit einem geeignetem Deep Sky Objekt sieht es schlecht aus.
  • Kometen sind ein weiteres Objekt zum Ausschau halten – aber auch hier für die aktuelle Finsternis keiner in Sicht.
  • Am 21. haben wir den Radiant von gleich zwei Meteorschauern in der Nachbarschaft des Monds: Die δ-Cancriden und die ρ-Geminiden. Beide laut Stellarium mit einer ZHR von 4 nun aber alles andere als aktiv und die Nähe des Radiants ist auch kein Vorteil. Bei dem kleinen Blickwinkel (um den Mond ausreichende Größe im Bild zu geben) braucht’s schon viel Glück um einen Meteor mit dem verdunkelten Mond zu erwischen – umso seltener und “wertvoller” natürlich wenn’s doch klappt.
  • Die Lichtspur der ISS und anderer künstlicher Objekte in der Umlaufbahn um die Erde lassen sich zuverlässig berechnen. Ein ISS-Transit vor dem “Blutmond” wäre ein fast sicheres APOD. Eine Lichtspur gäbe es vor dem Mond aber natürlich nicht – die Sonnenstrahlen kämen im Falle eines Mondtransits in der Totalität der Finsternis auch nicht auf die ISS. www.heavens-above.com zeigt nur einen unbeleuchteten Überflug gegen 2 Uhr in einiger Entfernung zum Mond.
  • Zeitraffer bieten sich natürlich an, um den Vorgang der Finsternis in kurzer Zeit darzustellen. In Großaufnahme braucht’s dazu eine Nachführung und einen guten Plan zur Belichtungsanpassung.
  • Individuell werden Finsternisbilder vor allem durch einen (besonderen) Vordergrund und eine gute Komposition. Dabei gibt es natürlich auch wieder Hilfe – Apps wie Photopills (nur iOS), PlanIt! oder The Photographer’s Ephemeris (TPE) sind dabei eine fast unverzichtbare Hilfe. Man kann z.B. komfortabel eine geeignete Kameraposition bestimmen um den Mond zu einer bestimmten Zeit an der für eine gute Bildkomposition richtigen Stelle in Relation zu einem Turm, einer Burg oder was auch immer zu haben.
  • Auch weit verbreitet aber durch entsprechendes Vordergrundmotiv dennoch individuell gestaltbar sind Mehrfachbelichtungen bzw. heutzutage natürlich die Kombination von mehreren Bildern in der Bildbearbeitungs-Software. Am einfachsten z.B. in Photoshop als Ebenen übereinander gelegt und Modus auf “Aufhellen”. Je nach Hintergrundhelligkeit muss man den Mond eventuell freistellen aber mit ein wenig Arbeit erhält man ein hoffentlich ansehnliches Motiv mit mehreren Mondphasen darüber. Auch schön aus einer Zeitraffer generierbat mit jedem xten Bild …
  • Wenn man schon eine Zeitraffersequenz hat, vielleicht einfach mal z.B. mit StarStax alle Bilder übereinanderlegen (macht die Software wie zuvor mit PS skizziert, nur viel komfortabler bei vielen Bildern) – das “doppelte Laserschwert” von 2015 hat’s so immerhin in ein Astrobuch geschafft 😉

Hier noch ein paar Bilder von den letzten beiden Mondfinsternissen 2015 in Bad Dürkheim und 2018 auf Teneriffa:

Von den beiden gibt’s “natürlich” auch jeweils ein kurzes Video:

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