Kompakt- & Actionkameras

Kompaktkameras, Camcorder mit integrierter Intervallfunktion & einfache „Timelapsekameras“

Zahlreiche Kompaktmodelle (insbesondere Ricoh) haben neben einer Selbstauslöserfunktion auch die Möglichkeit in definierten Abständen automatisiert Bilder aufzunehmen – hier einfach mal in die Bedienungsanleitung schauen, ob das eigene Modell dies anbietet – zum Ausprobieren und Reinschnuppern allemal gut! Die Einschränkungen der Variante kommen allerdings oft schnell zu Tage und lassen den Wunsch nach „mehr“ reifen – sei es eine beschränke Auswahl an Intervallen, die Beschränkung auf z.B. nur 99 Aufnahmen (was lediglich 3-4s Video ergibt) oder dass bestimmte Automatikfunktionen nicht deaktiviert werden können und so zu unschönen Schwankungen im fertigen Video führen können – vom weiter unten angesprochenen Problem der zu kurzen Verschlusszeiten ganz abgesehen. In den Bereich ordne ich auch die zahlreichen „Gartenkameras“ ein, die sich mit „Zeitraffer“ und „Garten“ als Suchbegriffe finden lassen und die Veränderungen im heimischen Garten verdeutlichen sollen. IdR. sind die für auch nur halbwegs ernsthafte Aufnahmen aufgrund der bescheidenen Auflösung und optischen Qualität allerdings nicht geeignet.

Ein bezahlbares Beispiel mit akzeptabler Qualität wäre hier die Brinno TLC200, die ohne jedes weitere Zutun Zeitraffervideos im avi-Format mit einer Auflösung von immerhin 1280*720 Pixel – für rund 130€ angesichts der kinderleichten Bedienung angemessen. Das ist aber auch gleichzeitig ein Nachteil – mehr als das Aufnahmeintervall einstellen ist nicht möglich, es gibt nur ein Weitwinkelvorsatz um die Brennweite zu ändern, für vernünftige Bildqualität muss eine gute Beleuchtung herrschen und sollte es heutzutage nicht (mindestens) Full-HD sein? Technische Details auf der Herstellerwebseite.
Leider hat Brinno auch Ende 2016 immer noch kein Modell mit Full HD im Angebot – weder die Pro-Variante der TLC200 noch das neue, kompakte Modell oder die speziellen „Baustellenkameras“. Schade – die sonstigen Spezifikationen, Wetterfestigkeit und einfache Handhabung machen eigentlich Lust auf die Kameras.

Canonuser können bei vielen Kompakten allerdings von einer Firmwareerweiterung namens CHDK (Canon Hacker Development Kit) profitieren, welches im deutschsprachigen Forum selbstbewusst als „das Sprungbrett zur semiprofessionellen Fotografie“ bezeichnet wird. Aus dem Forum eine Auswahl der Möglichkeiten, die CHDK mitbringt:

  • ermöglicht die Aufnahme von RAW/DNG-Bildern
  • zeigt ein Live-Histogramm mit gesonderten Einstellung für RGB und Luminanz
  • Übersicht über die aktuelle Kapazität der Akkus und der Speicherkarte
  • Anzeige von Uhrzeit und Temperatur
  • manuell einstellbare Belichtungszeit (von 1/100000s bis 65s (Bei einigen Kameras ist die max. Belichtungszeit unbegrenzt.) )
  • manuell einstellbare Fokusdistanz
  • manuell einstellbare Blendenwerte (in Abhängigkeit von der Kamera-Hardware)
  • manuell bestimmbare ISO Werte (Ober- und Untergrenze ist abhängig von der Hardware)
  • einstellbares Auto-ISO für unterschiedliche Aufgaben
  • Fernauslösung mit Hilfe einer Fernbedienung (Selbstbau)
  • erweiterte Funktionen durch Skripte
    • Belichtungsreihen für HDR
    • Intervallaufnahmen für Zeitraffer
    • automatisches Fokus-Stacking
    • Zeit-gesteuerte Abläufe
    • Fernbedienung-gesteuerte Abläufe (Selbstbau-Fernbedienung für USB-Anschluss der Kamera)
  • uvm.

sx240Canon Kompaktkamera SX240 mit externem Akku und Gehäuse mit verschiedenen Befestigungsmöglichkeiten und CHDK für Timelapseaufnahmen mit bis zu 18 Stunden. Anschlussmöglichkeit für Solarpanel zum laden des 10Ah-Akkus.

Damit wird das Ganze für Timelpase schon richtig interessant, wenn auch Nachtaufnahmen aufgrund des idR. deutlich höheren Sensorrauschens außen vor bleiben und die Qualität einer DSLR mit hochwertiger Optik nicht erreicht werden kann.

Handy & Tablet als Zeitrafferkamera

Die Idee hatten schon viele und dementsprechend gibt es für alle Plattformen zahlreiche Programme – einfach im jeweiligen Appstore Timelapse oder Zeitraffer eingeben und an den Bewertungen orientieren. Für Android ist z.B. „lapse it“ eine gute App mit zahlreichen Möglichkeiten – die Möglichkeiten sind letztlich aber natürlich durch Objektiv und Sensor des Geräts stark eingeschränkt. Die ideale schnell-mal-zwischendurch-und-immer-dabei-Lösung aber momentan noch nicht mehr, doof natürlich auch wenn man telefonieren möchte 😉

GoPro für Timelapse-Aufnahmen

Professioneller und vielfältiger im Einsatz wird das mit einer der in den letzten Jahren aufkommenden kompakten „Actionkameras„, die neben HD-Videoaufnahmen auch Fotos in ansprechender Qualität aufnehmen können und durch diverse Halterungen, ihre Kompaktheit und Wasserdichtigkeit prädestiniert sind für Timelapsevideos auch in rauher Umgebung. Vor einigen Jahres gab es hier die GoPro HD Hero 2 hervorheben. Das kleine Wunderwerk filmt(e) in voller HD-Auflösung (1080p bei 30fps; H.264-codec) oder bei geringerer Auflösung auch mit bis zu 120 Bildern in der Sekunde, was den Gegensatz zum Zeitraffereffekt, die Zeitlupe erlaubt. Im Fotomodus stehen 11 Megapixel zur Verfügung, die über eine sehr weitwinklige (170°) Fixfokuslinse auf eine SD-Karte geschrieben werden. Interessant für Timelapse-Aufnahmen der integrierter Timer, mit dem Aufnahmen in einem weiten Intervallbereich möglich sind.

Interessant sind die Kameras neben dem Einsatz in rauher/ungewohnter Umgebung auch für mobile Langzeitaufnahmen über einen ganzen Tag:

  • kein Verschluss wie bei einer Spiegelreflexkamera, der verschleißen kann;
  • zusätzliche Stromversorgung per Mini-USB anschließbar (Gehäuse ist dann allerdings nicht mehr wasserdicht!)
  • Speicherkapazität auf 32GB SD-Card ausreichend für 15 Stunden im 10s-Intervall selbst bei detailreichen Motiven – bei „durchschnittlichen“ Motiven auch im 5s-Intervall (Die Dateigröße reicht je nach Motivdetails aufgrund der jpg-Komprimierung von knapp über 1MB bis rund 6MB )

Gibt’s auch Nachteile?

Ja und die sehe ich klar einmal in der Optik mit dem doch recht stark verzeichnenden Weitwinkel. Die Verzeichnung fällt natürlich nicht bei allen Motiven auf und das starke Weitwinkel kann auch von Vorteil sein – muss aber nicht und Wechselobjektive oder ein (echter) Zoom stehen nicht zur Verfügung. Weiterhin braucht die Kamera Licht und zwar viel Licht um brillante Bilder zu liefern. Ansonsten geht mit schwindendem Licht und automatisch steigender ISO-Empfindlichkeit das Rauschen auch ganz schnell nach oben, gepaart mit flauen Farben – die GoPros sind Schön-Wetter-Kameras!

Neu: GoPro HERO4 black

Da stimmt das mit der Schönwetterwetterkamera nicht mehr so recht und selbst manuelle Einstellungen von ISO-Empfindlichkeit, Farbtemperatur und Belichtungszeit sind jetzt möglich – entscheidende Verbesserungen für Timelapser gegenüber der Hero 3 black.

  • 4k-Auflösung mit 30fps
  • 1080p mit 120fps
  • 12 Megapixel (4000*3000) Fotoauflösung
  • Intervallaufnahmen mit 0,5, 1, 2, 5, 10, 30 and 60 Sekunden Abstand, darüber hinaus im Serienbildmodus auch 3 und 5 Fotos pro Sekunde
  • Im speziellen Nachtmodus Intervallaufnahmen alle 15, 20, 30 und 60 Sekunden  sowie 2, 5, 30 und 60 Minuten
  • Nachtmodus mit Autobelichtung bei bis zu 2s Belichtungszeit oder manueller Belichtungszeit von 10, 15, 20 und 30s.
  • Protune-Modus mit manueller Steuerung von Weißabgleich (3000, 5500 und 6500 Kelvin), Farbe, ISO-Limit (100, 200, 400, 800), Schärfe, Auslösung und Belichtungskorrektur
  • aufgrund der hohen Datenraten sind schnelle Micro SD-Karten gefordert

Richtig krasses Zubehör insbesondere für Timelapser gibt es übrigens bei http://cam-do.com – programmierbarer Intervallgeber der die Kamera zwischen langen Intervallen ausschaltet, Gehäuse, Stromversorgung usw.

Hero 5

Viel Neues in Sachen Bedienung und Gehäusevarianten aber kaum was an „echten“ Specs. Nicht mehr als 120fps bei Full HD (aber 240 bei 720p), nicht mehr Auflösung, kein Wechselobjektiv oder ähnlich „sensationelles“. Auch an den Intervallzeiten hat sich nichts geändert – wobei die 0,5 bis 60s auch nur in extremen Ausnahmefällen Wünsche offen lassen. Ach ja – da ist ja noch was: Fotos im RAW-Format verspricht das Datenblatt und das könnte ein Fortschritt in Sachen Bildqualität bedeuten, da „mehr“ in der Nachbearbeitung möglich sein könnte. „Könnte“ weil’s auf das Format ankommt und dazu kann ich aktuell nichts sagen …

Bewegungsunschärfe beim Film

Nachteil aller auf der Seite angesprochenen Varianten: Aufgrund des Automatikmodus bewegen sich die Verschlusszeiten idR. deutlich kürzer als 1/50s. Bei „normaler“ Fotographie ist das zwar absolut kein Problem, da unserer Fotos aber nur Zwischenschritt zum Video sind, gelten hier andere Maßstäbe.

„Dragging the shutter“

Das Maß aller Dinge in der Filmproduktion ist eine Verschlusszeit von der Hälfte der Intervallzeit zwischen zwei Bildern um eine für die menschliche Wahrnehmung angenehme, fließende Bewegung sicherzustellen. Die Einzelbilder des Films haben dadurch bei schnellen Bewegungen eine Unschärfe („motion blur„), die man bei einer Fotoaufnahme u.U. mit kürzerer Verschlusszeit verhindern würde – bei bewegten Bildern ist sie gewollt aber mit den hier vorgestellten Varianten nicht erreichbar! Haben wir z.B. ein schon recht kurzes Intervall von 1s gewählt, müsste die Verschlusszeit 1/2s lang sein. Auf der anderen Seite – was gefällt ist Geschmackssache, also einfach ausprobieren, so ganz streng mit dem „180°-Shutter“, also Belichtungszeit 1/2 Intervallzeit muss auch nicht sein und bei 30fps statt der in der Kinowelt immer noch üblcihen 24 ist der Effekt auch nicht so stark ausgeprägt. Ganz verloren ist das Ganze für anspruchsvolle Projekte dennoch nicht – motion blur lässt sich per Software simulieren z.B. in Adobe After Effect, wie das Tutorial bei Adobe zeigt. Mit dem für verschiedene Schnittprogramme erhältlichem Plugin ReelSmart Motion Blur ist dies ebenfalls möglich, besser aber natürlich direkt bei der Aufnahme für den richtigen Effekt sorgen!

2 Kommentare zu Kompakt- & Actionkameras

  1. Torsten sagt:

    Hallo und guten Morgen,

    toller Blog den Du da hast, bin über die LRTtimelapse Forum auf Dich gestoßen.
    Zur HD Her0 2 eine Frage : Wo hast Du denn externen Akku her? Genau so was fehlt noch, In der Headline hast Du einen Schreibfehler ( Limelaps)

    Gruß und schöne Weihnachten
    Torsten

    PS. Bin der dmit dem emotimo und der nicht funktionierenden Nikon,,,mist hätte jetzt Zeit gehabt der Tage, Werde mir die Black edition wohl im Januar kaufen

  2. Uli Fehr sagt:

    Danke Torsten – leider fehlt wie so üblich ein wenig Zeit …
    Zum Akku: Such bei Amzon & Co einfach nach USB Akku oder Zusatzakku – gibt massig Angebote für alles, was per USB mit Strom versorgt werden kann. Meiner hat glaub ich 8400mAh (Achtung Kapazität Akku mit meist 3,6V ist nicht gleich die mit 5V entnehmbare!!) und reicht mit der GoPro für einen ganzen Tag – feine Sache. Die größeren Varianten verkraften auch ein kräftigeres Ladegerät an dem dann aber teilweise gespart wird unf man handelt sich unnötig lange Ladezeiten ein – da beim Kauf eventuell drauf achten.
    Viele Grüße – Uli –

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.