Spiegelreflexkameras (DSLR)

So richtig interessant mit der Timelapse-Fotografie wird es erst mit dem Einsatz von Spiegelreflexkameras. Warum?

  • Wechselobjektive – für jede Aufnahmesituation das richtige Objektiv: mehr Weitwinkel, mehr Tele, mehr Lichtstärke, mehr Schärfe als bei jeder Kompakten
  • beliebige Steuerung von Verschluss- und Intervallzeiten über Fernauslöser (O.K. – nicht DAS Argument, gibt’s bei einigen Kompakten und Bridge-Kameras auch)
  • deutlich bessere Lichtempfindlichkeit, weniger Rauschen bei Nachtaufnahmen – vernünftige Astrofotografie ist überhaupt erst mit SLR möglich
  • allgemein leistungsfähigere Sensoren, Möglichkeit im RAW-Format aufzunehmen und mit mehr Spielraum in der „Entwicklung“ weiterzuverarbeiten
  • idR. alle Autofunktionen abschaltbar (AF, Weißabgleich, Empfindlichkeit etc.), was bei Timelapse wichtig ist
  • externe Stromversorgung für längere Aufnahmedauer bei langen Belichtungszeiten möglich

Marken- oder Modellempfehlung gibt’s hier keine – meine Entscheidung viel aus wenig rationalen Gründen auf Canon (5D MII & inzwischen als Zweitgehäuse 600D) und ich habe es zumindest nicht bereut, aber wer würde das schon zugeben? 😉 Autofokusgeschwindigkeit und ausgefuchste Belichtungsprogramme mit Mehrfeldmessungen etc. sind für Timelapse weitgehend irrelevant – einige Punkte sollten aber bei einem anstehenden Kauf bedacht werden und sind zumindest im unteren Preissegment nicht unbedingt selbstverständlich:

  • Spiegelvorauslösung – verhindert Unschärfen durch minimale Kamerabewegungen durch das Wegklappen des Spiegels. Klingt an den Haaren herbeigezogen, ist aber insbesondere bei nicht ganz bombemfesten Stand des Stativs und Belichtungszeiten von nur wenigen Sekunden absolut relevant!
  • Live View – die Einstellung des Bildausschnitts geht einfach bequemer vonstatten, die Belichtungsbeurteilung per Histogramm ist Gold wert, ebenso die manuelle Fokussierung per Lupenfunktion insbesondere bei Nachtaufnahmen, wo der Autofokus versagt und das Objektiv zudem keinen Unendlich-Anschlag hat.
  • RAW-Format – was in der Kamera schon verarbeitet wurde und als jpg abgespeichert wurde, ist unwiederbringlich weg. Der Belichtungsspielraum ist größer – immer wieder erstaunlich, was aus vermeintlich schwarzen Bereichen in RAWs noch rauszuholen ist und die verlustbehaftete jpg-Kompression unterbleibt natürlich auch. Nachteil: Rund 25MB für ein Bild der 5D in (natürlich) voller Auflösung. Da hat das Rohmaterial für eine 10s-Sequenz halt mal eben gut 7GB.

Objektive – Weitwinkel ist angesagt

„Das“ Timelapseobjektiv gibt es zwar nicht, idR. wird man sich aber im Weitwinkelbereich bewegen und für den Anfang reicht sicher ein Standard- oder besser Weitwinkelzoom. Nachtaufnahmen außen vor ist sogar die Lichtstärke (max. Blendenöffnung) kein allzu wichtiges Kriterium. Warum? Nun, hohe Lichtstärke bedingt neben hohem Gewicht und hohen Kosten auch zwei positive Dinge: Einmal eine geringere Schärfentiefe bei Offenblende, z.B. um Objekte möglichst „freizustellen“, Hinter- und Vordergrund verblassen in der Unschärfe – eine Situation, die man bei Timelapse eher selten hat. Zum anderen natürlich ermöglicht es u.a. kürzere Verschlusszeiten. Da wir die gemäß der 180°-Shutter-Regel (Belichtungszeit = 1/2 Intervallzeit) aber eh relativ lang halten möchten und das oft nur durch künstliche Lichtverknappung (ND-Filter) überhaupt erreichen können – auch kein zwingender Grund für ein Objektiv mit hoher Lichtstärke. Für Nachtaufnahmen, insbesondere von Sternen oder gar der Milchstraße ist aber Lichtstärke Pflicht – sei es um überhaupt eine Scharfstellung vornehmen zu können oder natürlich wichtiger, um die Verschlusszeit bei Einzelaufnahmen so gering zu halten, dass keine Strichspuren durch die Erdrotation entstehen und die Empfindlichkeit und somit das Rauschen niedrig zu halten. Für Canon und Vollformat drängt sich das f1,4 24mm auf, als Zoomobjektiv das 24-70 der L-Serie mit durchgängiger Blendenöffnung von 2,8.  Selbst mit dem 24er will aber die Milchstraße aber nicht so recht ins Bild passen und dann wird es leider schwierig – siehe Übersicht von „7 edlen Weitwinkel am Vollformat“ bei traumflieger.de. Ich habe mir das Sigma f2,8 15mm Diagonal-Fisheye (180° Bilddiagonale) zugelegt und bin bezüglich der Verzeichnung, die die Platzierung von geraden Linien am Bildrand fast verbietet und der deutlich abfallenden Schärfe am Rand nur eingeschränkt begeistert – bei passenden Motiven aber eine tolle Sache. Bei Canon Crop kann ich dagegen eine klare Empfehlung für Sigma aussprechen – seit ich das f3,5 10-20mm für die 600d habe, ertappe ich mich öfter wegen dem Objektiv zur 600d statt zur 5d zu greifen. Aufgrund der Abbildungskorrektur liegt der maximale diagonale Bildwinkel trotz der ähnlichen Brennweite wie beim o.g. 15mm Vollformat allerdings „nur“ bei gut 102° – einen Vergleich zum lichtstärkeren Tokina 11-16mm gibt’s hier auch nachzulesen. Für Nikon empfehle ich mal wieder einen Blick auf gwegner.de, Gunther hat sich dort eingehend mit Weitwinkel für Nikon beschäftigt!

Weitere Objektive

Mit leider sündhaft teuren Tilt-Shift-Objektiven lassen sich auch beeindruckende Timelapsevideos erstellen, die über das aus der Achse verschobene Objektiv und den dadurch entstehenden Schärfeverlauf einen Miniatureffekt hervorrufen:
Small Worlds – Preview.
from Keith Loutit on Vimeo.

Das lässt sich allerdings auch so ähnlich mit einigem Aufwand im Post bewerkstelligen. Makrotimelapse von der Entwicklung von Blumen, Pilzen o.ä. mit den passenden Objektiven sind natürlich ebenso denkbar wie Aufnahmen mit Teleobjektiven. So ist ein Zoom auf Wolken – ergänzend zur Weitwinkelaufnahme durchaus reizvoll oder auch um Objekte perspektivisch näher zusammenzurücken oder einfach um entfernte Objekte wie Sonnen-/Mondauf- oder -untergang im Detail einzufangen, wie beim folgenden Sonnenaufgang auf Teneriffa:

2 Kommentare zu Spiegelreflexkameras (DSLR)

  1. Rami sagt:

    Hi
    Ich hätte da eine Frage. Wie groß/schnell muss die SD-Karte sein wenn ich einen Sonnenaufgang fotografieren möchte?

  2. Uli Fehr sagt:

    Die Größe hängt davon ab, wie viele Bilder du machen möchtest bzw. wie viele Sekunden das Zeitraffervideo umfassen soll – idR. handelt es sich ja nur um wenige hundert Bilder – die Speicherkapazität für eine einzelne Sequenz ist also mit aktuellen Karten die ja kaum unter 16GB umfassen kein Thema.
    Die Geschwindigkeit hängt vom Aufnahmeintervall ab – alles was über vielleicht 5s liegt, dürfte für aktuellen Karten unkritisch sein. Bei 25MB-RAW Files kommt man rein rechnerisch auf 5MB/s nötige Schreibgeschwindigkeit, das sollten alle hinbekommen. Beim Untergang der Sonnenscheibe mit Zoom muss man schon auf 1s Intervalle runtergehen – da braucht es dann schon eine schnelle Karte und das geht u.U. auch nicht mit jeder Kamera. Mit <50mm und wenn die letzten paar Grad über dem Horizont inkl. Abendrot nach Untergang aufgenommen werden soll reden wir von vielleicht 45min und die auf 10s gerafft macht 9s-Intervalle und das ist in Sachen Geschwindigkeit völlig unkritisch.

    Einfach testweise mit der Intervallzeit runtergehen und schauen was der Puffer der Kamera sagt bzw. ob die Auslöseintervall beginnen unregelmäßig zu werden – dann ist der Puffer voll und die nächste Auslösung muss warten bis die genügend Daten auf die Karte geschrieben wurden.

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